Um einen Schluck Wasser bat sie ihn; er, der einstige Verschwender, hatte nun nicht einen Schluck Wasser, um sie zu laben, er war selber dem Verschmachten nahe. Da bot sie ihm ein Körbchen mit Heidelbeeren, die sie gesammelt hatte.

»Friedrich,« sagte sie dann, »hier ist das Kind, Frieda hab' ich's geheißen. Sieh es an. Sieh doch auch mich einmal an. Bin ich denn so verdorben, daß du mich nicht mehr erkennen kannst? Das Kind mußt du hüten, daß es groß wird und brav. Ich glaube, bei mir ist's zum Sterben.« Er wendete sich ab. Sie faltete die Hände: »Friedrich! Auf der Welt ist es so schön und bist ja du wieder bei mir! Ich mag nicht sterben. Noch so jung und schon auf die Totenbahr.«

Er blieb stumm. Nicht einmal die Kraft der Verstellung hatte er mehr, um ihr ein beruhigendes Wort zu sagen.

Das Kind, in Lumpen gehüllt, schlief an der schwerwogenden Brust des Weibes.

»Wenn die Türe offen wäre!« sagte Floriana. Er öffnete sie. Das Abendrot lag draußen auf den Bäumen.

»Nicht wahr, die Waldluft, die soll ja gesund sein!« sagte sie.

»Gewiß,« versetzte er.

»Meine Eltern laß ich grüßen. Auch den Vater,« fuhr sie wie traumhaft fort. »Aber nicht wahr, mein lieber Mann, du machest mich gesund. Du bist ja ein großer Herr. Du hast mir Geld gaben wollen. Nichts wünsch' ich mir als die liebe Gesundheit. Ich will dir keine Last sein, nur leben laß mich. Mein junges Leben, nur das verlang nicht von mir!«

»Das meine gebe ich für dich!« rief er aus. »Nimm es! Nimm es!«