»So wollt Ihr mir vielleicht das Kind abnehmen?« fragte Kürbaum, nachdem er in Kürze die Schicksale desselben mitgeteilt.
»Es wäre recht,« antwortete die Witwe, »aber der Tod hat mir das Tuch vom Tisch gezogen.«
»Wenn ich für Euch steinbrechen wollte?« fragte der Mann.
»Das wäre gut, aber das Steinbrechen allein lohnt sich nicht. Mein Mann hat auch noch die Kalkbrennerei betrieben. Man verkauft den Kalk jetzt gut hinaus nach Zirlschlag.«
»Und wenn auch ich die Kalkbrennerei betriebe? Und den Erwerb brächte ich Euch, damit Ihr mir dieses Kind pfleget?«
»Ja, dann sind wir handelseins,« sagte die Alte und machte einen Handschlag. »Aber – mit dieser Hand wollt Ihr Steine brechen?«
Einige Zeit mußte er sich von der alten Witwe pflegen lassen, bis er imstande war, sein Vorhaben zu versuchen.
Und dann geschah es, daß ein Mann, der die vornehmste Erziehung genossen hatte, der zu Lebzeiten seines Vaters zwölf Jahre lang allerlei Wissenschaften betrieben, der hierauf eine Million zu erben bekommen, daß dieser Mann bei einem Halbkretin in die Schule gehen mußte, um sich und seinem Kinde das Brot zu erwerben.
Der schiefäugige, halbtaube Knecht des Verstorbenen unterwies Herrn Kürbaum, wie man den Eisenschlägel handhabt, wie die Steine am richtigsten zertrümmert werden, daß sie nicht zu groß und nicht zu klein bleiben, wie man sie in Prismen schichtet und mißt und verrechnet; unterwies ihn in der Kalkbrennerei, welche Gattung von Stein man nimmt, wie man heizt, röstet, löscht usw.
Kürbaum hätte es nicht ausgehalten, seine ganze Natur bäumte sich oft auf gegen solche Dinge, aber wenn er das Kind sah, das ihn bisweilen so treuherzig munter anblickte, da gewann er innere Kraft, und mit dieser stählte sich allmählich auch die äußere. Sein Wille erstarkte und rang mit seinen Neigungen, die auch wieder zu erwachen begannen. Ein paarmal drohte ihm das Unterliegen. »Nur den tausendsten Teil von dem, was ich der Langweile und dem Laster in den Rachen geworfen, und das Kind wäre geborgen!«