Nach und nach stellten sich auch Freuden ein. Das Kind lächelte, streichelte mit dem Händchen seine bebarteten Backen, faßte den Lederschild seiner Mütze und lallte: »–ut!«

Die Pflegemutter verstand: »Hut«, der Vater wußte es besser: »Mut!« Und er gewann ihn ganz zu eigen. –

Nach einer Weile vernahmen die Fratres des Klosters zum heiligen Anton am See, daß der wunderliche Mensch, der seinerzeit aus dem See gezogen worden war, draußen in den Träusundbergen bei einem Steinbruch wacker arbeite. Nach näher eingeholten Erkundigungen ließ der Abt an ihn folgendes Briefchen schreiben:

»Eine Million verjuxen und sich erschießen! Wie jämmerlich! – Aber eine Million verjuxen, dann Steine schlagen, das ist tapfer! Das Kloster braucht gegenwärtig einen Straßenmeister. Wollen Sie die Stelle haben, so mögen Sie sich melden.«

So steht es heute. Friedrich Kürbaum ist wohlbestellter Straßenmeister und bewohnt mit seinem heranblühenden Töchterl und der alten Witwe das im Schweizerstil gebaute kleine Haus, das rechterhand der Straße steht, wo sie sich gegen den See hineinbiegt und ins enge Klostertal. Vom Fenster aus sieht man die Seewand und die im Hintergrunde aufragenden Felsriesen.

Ist das alles? fragt ihr. Und der Mann soll Straßenmeister bleiben?

Ihr winkt mißmutig ab? So stark sei niemand? – Was wollt ihr denn? Der Mann hat trotz aller Schwäche die Hochschule bestanden – die Schule des Elends. Das, was andere suchen und erjagen, hat er hinter sich, die Million. Er weiß, wie hohl sie ist, und diese Erfahrung gibt dem nun Geläuterten Ruhe und Weisheit für den Genuß des kleinen, innigen Lebens in der großen Natur.


Philippus der Hasser.