Das Bekenntnis eines Verurteilten.

Im Staatsgefängnisse zu Sydney saß ein merkwürdiger Mann. Seine knochigen, sonnengebräunten Glieder waren nur zum geringsten Teile mit Lappen bedeckt. Sein Haupt war wirr umwuchert von Haar und Bart, zwischen welchen ein paar scharfe Augen glühten, wie die Lagerfeuer von Wilden im Busch. Der Mann war am Murrayflusse mit einer Meute von Wilden gefangen worden. Er schien ihr Häuptling gewesen zu sein, so wie er an Gestalt und Kraft seine Genossen überragte, einen längeren Wurfspieß und ein sorgfältiger geschmücktes Känguruhfell trug, als die übrigen. Er war auch der mutigste gewesen; alle anderen stoben vor dem ersten Schusse der Engländer auseinander, er trotzte und trachtete die Rotte zum Angriff zu führen. Aber diese suchte zu fliehen, was ihr mißlang. Der Häuptling wurde niedergeschlagen und gefangen. Er stieß brüllende Töne aus und biß wütend mit den Zähnen um sich; später jedoch, als er im festen Gewahrsam saß, stellte es sich heraus, daß er mit großer Geläufigkeit englisch, deutsch und französisch spreche.

Man vermutete, daß er sich niemals zu Trotze gestellt hätte, sondern mit seinen Gefährten geflohen wäre, wenn er nicht gemeint haben würde, die Engländer führten mehr Gold als Pulver mit sich. Dann begann er zu rasen, sich und das Gold zu verfluchen, und als man d'ran ging, ihm den Prozeß zu machen – denn es hatten sich seltsame Sachen herausgestellt – wurde er gefaßter und verlangte einen Priester. Man sandte ihm einen Pastor, den schickte er wieder zurück – er sei ein geborener Irländer, also Katholik.

Als der katholische Priester zu ihm in das Gefängnis trat, lag er ausgestreckt auf der Erde, verbarg sein Gesicht in das Ziegelpflaster und rief: »Kannst du es glauben, du einer von denen, die mich getauft haben: ein wildes Tier bin ich geworden!«

Der Priester suchte ihn zu beruhigen, aufzurichten. Der Wilde grinste ihm in das Gesicht und schrie: »Stehe mir nicht so würdevoll da. Was, wenn ich jetzt du wäre und du das verdammte Menschentier, das ich bin?«

»Komme zu Frieden,« sagte der Priester, »ich will die Würde des Dieners Gottes gerne ablegen, wenn sie dich blendet, ich will mit dir sein, wie ein Mensch mit Menschen. Du bist unglücklich, aber du gehörst zu uns. Bist du strafbar, so straft dich das Gesetz, nicht der Mensch, der bleibt bei dir und verläßt dich nicht in deiner größten Not und nicht in deiner letzten Stunde. Er bittet dich nur eins: Sei auch du menschlich und mache dein Herz auf, damit dein Bruder Frieden hineinlegen kann.«

»Ich bin braun, nicht wahr?« fragte der Gefangene und wies auf seinen halbnackten Körper, »das hat die Sonne getan und der heiße Wind im Scrub. Und mein Herz, das du haben willst, ist nicht braun, das ist schwarz wie die schwimmende Hölle, die mich hergebracht hat; wer es schwarz gemacht, das sollst du hören. – Ha ha«, lachte er grell. »Es soll aber noch einmal rot werden, bevor ich tot bin.«