»Da mir,« fuhr mein Freund fort, »die Lust, Maler zu werden, begreiflicherweise vergangen war, wenigstens einstweilen vergangen, so fügte ich mich gerne den fürsorglichen Wünschen meines Gönners, ich gab mich, anfangs gleichgültig, später mit Interesse, der Landwirtschaft hin und machte in derselben Fortschritte. Außerdem geschah manches zur Vermehrung meiner sonstigen Kenntnisse, damit wuchs auch – möchte ich sagen – mein Herz und ich schloß mich warm und dankbar meinem Wohltäter an. Ich war kaum drei Jahre auf Zurkow, als mir Marketze eines Tages zu verstehen gab, daß es ihm lieb wäre, wenn noch vor seinem Tode meine Verbindung mit seiner Tochter zustande käme. Freda war um einige Monate älter als ich, sie war mir nicht unangenehm gewesen. Es hatten sich, wie leicht erklärlich, reiche Bewerber eingefunden, allein –«
»Sie hat den frischen guten Jungen vorgezogen,« unterbrach ich in meiner vorwitzigen Ungeduld, »reich war sie selbst, gesellschaftliche Rücksichten war sie nicht schuldig, so nahm sie sich einen Herzensmann. Ich habe mir oft gedacht, Wendel, daß in dir Trotz und Geschmeidigkeit, Männlichkeit und Weichlichkeit geradeso gemischt sind, wie es die Weiber gerne haben.«
»Genug. Als der Vater starb, waren wir ein Ehepaar und ich habe mich wohl oder übel mit meiner neuen Würde und Herrlichkeit abfinden müssen.«
»Aufrichtig gesagt, hoffe ich, daß dir die Kunst, ein reicher und glücklicher Mann zu sein, besser gelingen wird, als dir jemals ein gutes Gemälde gelungen wäre.«
Eine Weile nach dieser Bemerkung antwortete Wendel: »Es gehört zum einen wie zum andern ein großes Talent. Wenn sich der reiche Mann in seine Lage nicht zu schicken weiß, so ist er ein armer Mann.«
Derlei besprachen wir, da begann allmählich das Gespräch zu stocken. Wir machten noch manchen stillen Schluck aus unseren Gläsern, dann wünschten wir uns in freundlicher Höflichkeit gute Ruhe, und ich wurde hierauf in mein Zimmer geführt.
Ich stand noch lange am Fenster und blickte in die Nacht hinaus. Auf dem Meere lag der Schimmer des Mondes und die zackigen Kreidefelsen von Stubbenkammer standen wie Gespenster da. Jetzt legte sich auf meine Schulter wieder die Hand. Wendel stand neben mir und war bleich und verstört, wie ein Nachtwandler.
»Verzeihe mir, mein Freund, daß ich deine Ruhe störe,« sagte er mit unsicherer Stimme, »ich wollte dich heute noch fragen, wann du von hier abreisest?«