Mit Befremden entgegnete ich: »Wann ich abreise? Ich glaube, du könntest es ebensogut erfahren, wenn du mich gefragt hättest, wie lange ich denn zu bleiben gedächte. Du weißt, daß ich auf deine Einladung aus Wien komme, um dich zu besuchen.«
»Ich danke dir, daß du gekommen bist!« stieß er hervor, »aber ich verreise morgen und wünsche in deiner Gesellschaft zu reisen.«
Ich starrte ihn an.
»Du hältst mich für verrückt,« sagte er.
»Allerdings –«
»So muß ich dir's denn gestehen, Freund,« er verdeckte mit krampfiger Hand sein Gesicht, »ich bin sehr unglücklich. Ich ertrage es nicht mehr länger, ich will fliehen, ich will nach Wien zurück. Mein Weib und ich, wir lieben uns nicht. Sie behandelt mich mit Hochmut, sie hat ihre Freunde, mit denen sie sich herumtreibt, fischt und jagt; ihrem Reitpferde schenkt sie mehr Aufmerksamkeit als mir. Von einem Familienleben ist in diesem Hause nicht der Schatten, entweder sie zieht ihre junkerlich faden oder aufgeblasenen Sportgenossen herbei und gibt laute Feste, wobei ich offen oder verstohlen die Zielscheibe ihrer Launen bin, oder sie reitet davon und läßt mich allein in diesem Schlosse, das mir unheimlich geworden ist wie eine Gruft. Ich hätte mit ihr für mein Leben gern einmal eine Reise nach Österreich gemacht; sie schlug mir's ab, ich möge allein reisen, wenn es mir auf Zurkow nicht behage, sie sei keine Freundin der vielgerühmten österreichischen Gemütlichkeit. Das einzige Glück ist, daß ich sie nicht liebe, denn sonst müßte ich mich von jenem Felsen dort, der die erste Ursache meiner Leiden ist … Kurz, ich habe nichts und will nichts, ich bin frei, ich verlasse Zurkow noch in den nächsten vierundzwanzig Stunden, arm wie ich gekommen bin. Ich gehe mit dir nach Wien.«
»Du mußt deine Aufregung vorübergehen lassen, armer Freund,« sagte ich, »wenn du ruhig geworden sein wirst, wollen wir es überlegen.«
»Diese Zeremonie ist nicht mehr nötig. Ich habe es längst überlegt und heute mich entschlossen. Ich habe sie von deiner Ankunft unterrichtet und sie gebeten, daß sie zu Hause bleibe, um dich zu empfangen: sie weiß, daß du mein liebster Freund bist, der aus der Ferne zu mir kommt, und sie konnte das Haus verlassen, und sie konnte mir das lieblose Wort sagen.«
»Welches Wort?«
»Wen ich eingeladen, den möge auch ich bewirten, sie könne sich denken, wie mein bester Freund aus der Zeit der Farbenkleckserei aussehe, sie sei auf derlei vagabundierendes Künstlervolk nicht neugierig. Tiefer hätte sie mich nicht mehr verletzen können. Ich trenne mich von ihr.«