Als Herbert das auf so wunderliche Art wiedergewonnene Vermögen wohlverwahrt hatte, ging er daran, das Haus der Braut seines Freundes aufzusuchen. – O wie war das jetzt anders, wie war dieses Neuyork jetzt schön! Nur die Betrübnis der Miß Luise fürchtete er noch, wenn anstatt des heißerwarteten Bräutigams ein fremder Mensch kommt, um zu sagen, der Bräutigam sei auf ein unrechtes Schiff gestiegen und könne kaum vor einer Woche eintreffen. Im Wildpark, dem Lärme ein wenig entrückt, stand ein stattliches Haus. Hohe Tannen, wie er sie seit den Pyrenäen nicht mehr gesehen hatte, überragten mächtig die Giebel und auf den Wipfeln sangen zu Hunderten die Vögel. Herbert drückte mit Beklemmung am Taster, das Tor öffnete sich und vor ihm stand – Richard. Er war eben vor einer Stunde angekommen. Ein amerikanischer Eildampfer, mit dem sein nach Brest fahrendes Schiff gekreuzt, hatte ihn aufgenommen und hierher gebracht. Laut lachend fielen sich die beiden Freunde in die Arme und Herbert erzählte mit kurzen Worten lustig, daß er in den wenigen Stunden seines Aufenthaltes in Neuyork schon ein großes und gutes Geschäft gemacht habe. Dann, gleich im Stiegenhaus, wurde die Braut vorgestellt – ein frisches, rund- und schwarzäugiges Mädchen, das ohne viel Förmlichkeit dem Freunde ihres Richard derb die Hand schüttelte.

Gegen Abend desselben Tages kam die erbetene Depesche aus Hamburg mit dem Berichte, der verhängnisvolle Vorfall bestehe darin, daß der Bureaudirektor eine große Defraudation verübt habe, flüchtig geworden sei und bis zur Stunde noch keine Spur von ihm zu entdecken wäre. Dann hieß es: »Sonst alles wohl. Deine Susanna.«

»Nun also!« rief Richard. »Das wäre geschlichtet. – Und nun wirst du bei unserer Hochzeit sein!«

»Das versteht sich. Ich eile nur, meiner Familie zu berichten, daß wir ihn haben.«


Mein Vetter, der Türke.

Am 19. Oktober 1880 erhielt ich aus Teheran, der Hauptstadt Persiens, folgendes Telegramm:

»Mein teurer Vetter, ich bin verloren. In Affäre verwickelt, die mir den Kopf kostet, wenn Intervention der österreichischen Gesandtschaft nicht gelingt. Bis die Post Näheres bringt, vielleicht zu spät. Lebe wohl.

Anton.«