Gleich wenn man über die Höhen von Apolda hinüber kommt, sieht man südlich der Stadt aus einem dunkelgrünen Laubwäldchen eine goldigfunkelnde Kuppel emporragen. Das ist die Fürstengruft und dort ruhen Schiller und Goethe.

Es war mir feierlich zumute, als ich hinabstieg gegen das ruhige Städtchen. Dieses ist durchaus nicht reich an Pracht, aber die Häuser stehen schier weihevoll da, auf dem Pflaster hört man kaum einen Wagen rasseln, und durch die Gassen wandeln nur wenige Menschen. Es ist als ob die Stadt von seiner Glanzperiode zur Zeit Karl Augusts träumte.

Und so lange Weimar steht, wird es träumen von jener Zeit und von den großen Männern, die seine Bürger waren.

Heute zeigt es nur mehr die Wohnstätten der Sänger, und der Wanderer betritt sie mit Ehrfurcht.

Es war hoher Nachmittag, als ich im Städtchen ankam; ich eilte an dem Goethe- und Schiller-Monument am Theaterplatz vorüber, Schillers Wohnhaus zu. Bald darauf stand ich[1] im Zimmerchen, wo Schiller gearbeitet hatte und gestorben war. Da steht noch der Schreibtisch und auf demselben das Tintenfaß; da liegt noch das Buch offen, in dem er zuletzt las, und da liegt noch der Brief, den er zuletzt schrieb. Der Sessel steht auch noch am Tisch – man meint, der Professor müsse den Augenblick kommen und sich hinsetzen und seinen »Demetrius« fertig schreiben.

[1] Durch die Vermittlung des Dichters Julius Grosse, der im Schillerhause als Präsident des Schillervereines wohnte.

Aber die Schließerin zeigt auf das leere, nur mit grünen und welken Kränzen belegte ärmliche Bett im Winkel und sagt leise: »Hier ist er gestorben.«

Am Bette steht das Tischchen mit der Schale, aus der er seinen Thee trank, und mit dem Medizinfläschchen.

Am Ofen steht ein Saitenkasten, auf welchem eine Gitarre liegt; ich hatte es schier nicht unterlassen mögen, eine Saite zu berühren. Doch, diese Saiten mögen ruhen und trauern.

Goethes Wohnung ist nicht zugänglich. Seinerzeit ist der Eintritt gestattet gewesen; da war einmal, so erzählt man, ein Engländer gekommen und der hatte Goethes Feder mitgenommen; seitdem läßt der Eigentümer des Hauses keinen Fremden mehr ein.