»Aus der Steiermark.«

Auf dieses Wort schlug er mir heiter auf die Achsel: »Da sind wir ja schier Landsleute; meine Heimat ist in Ungarn, nahe an der steierischen Grenze; bin mehreremale in Steiermark gewesen. Ei schau, aus der Steiermark! Sapperlot, das freut mich. Kommen Sie, lieber Herr!«

Mit diesen Worten zog der Mann einen Schlüssel aus der Tasche und führte mich in die Gruft.

Links in der Nische stehen zwei Särge aus dunklem Holz, mit Lorbeerkränzen geschmückt – hier ruhen sie.

Am Grabe Jesus Christus hätte ich kaum gerührter und ehrfurchtsvoller stehen können, als an dieser Stätte unseres erhabenen Sängerpaares.

All' die andern fürstlichen Särge, die im Hauptschiff des Gewölbes der Reihe nach stehen, waren mir gleichgültig, obwohl mein Landsmann von der ungarischen Grenze viele Worte aufbot, mein Interesse dafür zu erregen. Nur am Sarkophag Karl Augusts war mir, als müßte ich dem schlummernden Fürsten meinen Dank sagen, daß er der Freund unserer Dichter gewesen ist.

So war mein Wunsch erfüllt und als ich dem Torwart zu Lohn noch erzählt hatte, wie es in der Steiermark und an der ungarischen Grenze zugehe, verließ ich den Friedhof und wandelte langsam gegen die Stadt.

Am Abend – dieser war so mild und heiter, und die Türme von Weimar funkelten in der untergehenden Sonne – machte ich einen Spaziergang durch das »Hölzchen« und zwar in Begleitung der beiden Dichter, denn ich las Schillers »Spaziergang« und Goethes »Elegien«.


Auf dem Turme der Marienkirche zu Stralsund.