»Gesegn' Gott, wenn's schmeckt!« sagte der Bauer, »sind sicher ein Studiosus? – Ni ja, hab' mir's gleich dacht. Mein Älterer, der Medardi, ischt auch Studiosus, unten in Zürich. Sie wollen gewiß morgen auf den Berg? Und vor Aufgang noch? Schau', das ist viel! Die Sonne, wissen Sie, geht da oben viel früher auf, als anderswo; hier unten kommt sie gerade um drei Stunde später. Ja, da möge Sie heut' wohl gleich ins Bett gehe. – Sepheli!« rief er hernach in ein Nebenstübchen, »Luig, isch das Bett für den Ma da neumis scho fertig? Tausigsappermost, 's isch hochi Zit!«

»Nun,« sagte ich, »so wollen wir heute noch die Rechnung begleichen«.

»Jetzt hören Sie mir auf!« lachte der Mann, »so ein Studiosus da!«

»'s isch fertig, do lit er, wie ne Grof!« hörte ich in einer Kammer über uns sagen, und mein Gastherr sprach: »Fertig wär's. Jetzt sag' ich Ihnen eine ruhsame Nacht!«

»Gunn der 's Gott der Herr!« schmunzelte mir das alte Männlein aus seinem Winkel zu und ich wurde in eine Oberstube zu Bett gebracht.

Das Bett war nicht mit allzufeiner Leinwand überzogen, die Decke etwas steif; dennoch aber schlief ich auf meiner ganzen Reise nicht so süß als in dieser Bauernstube.

»'s isch Zit, Büebli, 's hat eis gschlage!« rief es plötzlich, und der Friedli stand mit einer Talgkerze vor dem Bett und rüttelte an der Decke.

Wenn die Zeit des Schlummers des Menschen glücklichste Zeit ist, wie Philosophen gesagt haben, warum läßt man sich wecken eines Sonnaufganges wegen?

»Bisch sölli müed und schlöfrig gsi? Freili jo, Suntig isch, chumm, 's git e gueti Tag!«

Wohlan, wenn es einen guten Tag gibt, da muß man dabei sein. – Ich erhob mich und in wenigen Minuten darauf gingen wir in der kühlen Nachtluft durch junges Dickicht hinan. Friedli wies mir den Weg. Es war sehr taunaß, über den Zuger See und über das östliche Hügelland gegen Zürich hin hatte sich Nebel gelagert. Der Sternenhimmel war rein. Da wir auf einem guten Fußweg waren, der nicht leicht zu verfehlen sein konnte, sagte ich meinem Begleiter, daß er nun umkehren möge, und ich wollte ihm eine Münze in die Hand drücken; er kehrte weder um, noch nahm er die Münze. Erst als der Morgenstern aufging, meinte Friedli: »'s isch ein anderer da, bin jetzt frei dervo, bhüetis Gott!«