»Leb' wohl, Friedli!« sagte ich und das Wort kam mir aus dem Herzen. »Wenn ich einen andern Rückweg einschlage, so dank' ich dir und den deinen noch einmal. Leb' wohl, Friedli!«
»Will's Gott, mer werde scho im Himmel wieder z'seme cho!« sagte er und ging bergab.
Das war im ersten Schimmer des Morgensternes.
Ich ging aufwärts. Die Luft strich kühler und kühler; über dem Hügelland lag ein lichter Streifen, einzelne Vogelstimmen wurden wach.
Der Weg führte durch Wald und Strauch, über Weiden und an Sennhütten vorüber, oft über Gerölle und an Felswänden hin.
Nach einer zweistündigen Wanderung war ich am Hotel »Rigistaffel«. Ich blieb stehen und blickte abwärts und auswärts. In den Tälern lag noch Schatten, der Stern des Vierwaldstätter Sees in tiefer Dämmerung. Die Ufer waren mit lichten Punkten von Dörfern und Villen bestreut; Luzern lag da wie ein winziges Häuflein weißer Steine.
Eine Stunde später stand ich auf der höchsten Spitze des Rigi, am Hotel »Rigi-Kulm«, das mir gestern als kleiner Punkt entgegen geleuchtet.
Ich hörte einmal einen Mann, der den Rigi bestiegen hatte, folgende Worte sprechen: »Ich weiß nicht, was die Leute an diesem Rigi finden; das Hotel ist gar nicht so außerordentlich, ja im Gegenteile, man lebt im Tale billiger und besser. Und die Aussicht, du mein Gott, nichts als Berge. Und da geht noch ein kalter Wind. Was doch die Leut' an diesem Rigi finden!« –
Nach der anstrengenden Partie trank ich im Hotel, in welchem sich einige Engländer befanden, ein kleines Schälchen Milch für fünfundsiebzig Centimes, dann ging ich wieder in das Freie, wo ein kalter Wind zog und ich nichts sah als Berge.
Aber welche Berge!