Die Gletscherwelt der Schweiz, wie sie südwestlich des Rigi in einem ungeheueren Halbkreis daliegt. Und dann tauchte im Osten langsam und langsam die glühende Riesenscheibe empor und dann entzündete sich das Meer der Gletscher und das war ein stilles Glühen und Leuchten hin über das ganze wunderbare Hochland!
Acht Tage früher hatte ich das Wogen und Fluten der Meereswellen in der Nordsee gesehen und die Sonne ging auf. Und heute aus dieser unendlichen Ruhe ging die Sonne auf. –
Als meine Augen getrunken hatten bis zur Berauschung, und als sich mein Herz gelabt hatte an der ewigen Schönheit, stieg ich wieder abwärts.
Meine liebenswürdigen Wirtsleute bei Immensee sollte ich nicht mehr sehen. Ich ging südlich gegen das Klösterli Maria im Schnee, gar einsam und arm im Alpenkare gelegen. Da steht über 4000 Fuß hoch ein Wallfahrtskirchlein, und da leben in einem dürftigen Hause drei Kapuziner. Sie betreiben eine kleine Milchwirtschaft, und ihr niedriges Dach dient armen Wallfahrern und vom Unwetter überraschten Touristen zum gastlichen Hospiz.
Von hier aus geht es an Hängen und durch Schluchten steil abwärts gegen Arth, ein kleines Dorf, das an der südlichsten Spitze des Zuger Sees liegt.
Als ich den See gegen Zug entlang ging, sah ich über dem jenseitigen Ufer noch einmal meine gastliche Herberge, den Bauernhof. Das Männlein sah ich nicht; bald rollten mich die Räder wieder fort aus dem Lande des Friedli.
– Will's Gott, mer werde scho im Himmel wieder z'seme cho!
Aus dem Ungarlande.
1871.