»Die wirst du nicht sehen,« sagte Wendel Blees, »wie ich sie kenne, kehrt sie erst zurück, wenn sie die Gewißheit hat, daß du nicht mehr im Hause bist.«
»Dann erlaube mir, daß ich jetzt einige Stunden ruhe. Bevor die Sonne aufgeht, werde ich dieses Haus verlassen.«
»Tue so, mein Freund, und schlafe wohl.«
Rasch hatte sich mein Gastherr nun entfernt. Unsere Unterredung hatte einen fast trotzigen Charakter gehabt. Ich schlief schlecht in derselben Nacht. Reue, daß ich hierher gekommen, Mitleid mit dem armen Wendel, Ratlosigkeit, was nun anzufangen, peinigten mich. Es kam mir der Gedanke, Frau Freda aufzusuchen und den Vermittler zu spielen; diesen Gedanken schleuderte ich rasch von mir – zwischen Eheleute dränge sich kein Dritter, am wenigsten ein Fremder. Er würde es unter allen Umständen schlechter machen. Als der erste Schimmer des Morgens aus dem Meere stieg, war ich entschlossen. Ich packte hastig meine Sachen zusammen, schrieb auf ein Blättchen Papier die Worte:
»Wendel, ich bin aus der Ferne gekommen, um Dir auf dieses Stück Papier das Wort zu schreiben: Sei ein Mann! Lebe wohl.
Dein treuer Hans.«
Als ich durch den Hof eilen wollte, fuhren zwei große Hunde auf und ließen mich nicht weiter. Ich mußte umkehren in mein Zimmer, warf mein kleines Gepäck zum Fenster hinaus und kletterte selbst nach in den Garten. Das Schloß und das naheliegende Gehöfte lagen noch in Ruhe da; ich huschte durch Gestrüppe und bog erst eine Strecke weiter hin zum Wege.
Ich war auf demselben etwa dreihundert Schritte gegangen, als von einer Eichengruppe ein Mann auf mich zusprang und mich mit dem Worte: »Da bist du ja schon!« an der Hand faßte.
Wendel war's, der Herr auf Zurkow: und doch nicht mehr Herr auf Zurkow, in dem Kleide eines fahrenden Gesellen stand er da.