»So, Kamerad,« sagte er, »nun wollen wir einmal mitsammen wandern.«

Dagegen ließ sich nun nichts einwenden. Wir trabten wortkarg nebeneinander her. Als wir eine Stunde gegangen waren, machte mein Begleiter plötzlich einen Juchschrei, wie er so frisch und laut auf Rügen vorher wohl kaum erklungen sein mochte.

»Sieh da, dieser Stein ist mir noch auf dem Herzen gelegen,« sagte er hernach und deutete auf einen bemoosten Grenzstein, »hier endet das Gut Zurkow, hier beginnt die weite Welt. Freund, nun bin ich wieder dein!«

Da dachte ich: Wenn ich nur wüßte, was ich mit dir anfangen soll!

So begann die Wanderschaft. Den Sund übersetzten wir auf einer abseits gelegenen Fischerbarke, Stralsund umgingen wir, weil Wendel sich vor dem Erkanntwerden fürchtete. Und dann wollte er zu Fuß nach Wien reisen. Er hatte von dem Schlosse ja nichts mit sich genommen, als was er einst dahin mitgebracht hatte, ein abgeschabtes Ledertäschchen und einen Hagenstock. Ich hatte viele Mühe, um ihm die Eisenbahnfahrt aufzuzwingen. Endlich, als es ins Österreich hereinging, fanden wir uns und waren harmlos heiter, wie einst; ich suchte seine Verhältnisse mit Ruhe und Erwägung zu besprechen, allein er war dazu viel zu nervös aufgeregt: bei ihm ging alles im Überschwunge und sein ganzes Wesen wurde mit fortgerissen.

Als er die alte Kaiserstadt sah, war er überglücklich. So saßen wir nun endlich wieder in meiner Stube, wo wir vor Jahren oft froh beisammen gesessen und ich fragte ihn: »Wenn du jetzt zurückdenkst auf Zurkow, wie ist dir zu Mute?«

»Unsäglich wohl!« rief er, »hast du einen zweiten Freund, Hans, der imstande ist, ein Herrenschloß und ein reiches Weib von sich zu schleudern, wie eine faule Birne?«

»Du bist der einzige,« sagte ich, »und nun suche ich mir noch einen, der imstande ist, ein Herrenschloß und ein reiches Weib zu beherrschen.«

»Da wird sie zurückgekehrt sein auf Zurkow,« sagte Wendel, »ausgerüstet mit neuen Mitteln mich zu demütigen, und wird selbst die größte Demütigung erlebt haben, die ein reiches Weib erleben kann: von dem Bettler abgelehnt zu sein.«

Schon am nächsten Tag war Wendel Blees so glücklich, in einem Vororte Wiens als Zimmermaler Beschäftigung zu finden. Er besuchte mich häufig, aber für meine Bilder und ästhetischen Studien hatte er kein Interesse mehr, er saß zumeist still da und blickte zum Fenster hinaus auf die alten Ulmen und Eichen eines verwahrlosten Parkes. Von seinem abenteuerlichen Gutsherrnleben sprachen wir nicht mehr; ich aber dachte daran und mir kam die ganze Geschichte noch wunderlicher vor.