Und trotz all' diesen verschiedenen Dingen herrscht eine gewisse Ruhe in den Räumen und fortan künden es die riesigen Buchstaben oben rings der Kuppel: Tu es Petrus etc.
Wer die Größe des Baues noch nicht glaubt, der steige auf das Dach und wandle zwischen den Tonnengewölben und Giebeldächern und den sechs Kuppeln und den Laternen, wie in einer Stadt von Kirchen und Plätzen mit Springbrunnen sogar – und besteige den gewaltigen Koloß der großen Kuppel und halte Aussicht von der Laterne über Rom, in das Sabiner und Albaner Gebirge, in die Abruzzen und auf das Mittelländische Meer. Und mag er gar hinaufklettern bis zum »goldenen Knopf«, so wird er sich sagen: »Tanzen? Sieben Hochzeitspaare?« –
Dann aber, Freund, wenn du herabsteigst, durchwandere nochmals die Kirche und labe dich an der Schönheit, Erhabenheit, ehe du von dannen ziehst. Du magst durch alle Länder der Erde reisen, alle großen Städte durchforschen, einen solchen Tempel wirst du nimmer finden. Hier, in dem Dome und im Vatikan hast du der Baumeister und Bildner größte Werke gesehen; hier bist du auf der Höhe und an der Grenze der menschlichen Kunst. Höher kann die Flamme des Genius nicht mehr lodern – der Atem Gottes bläst sie aus.
Einen Monat später war ich wieder in meiner kleinen, stillen Dorfkirche und fühlte die Nähe des Herrn.
In den Ruinen von Pompeji.
1872.
Eine große Vorwelt ist versunken – hat nichts zurückgelassen, als hier ein Marmorstück, dort ein Erzgebilde, anderswo ein eingegrabenes Zeichen, das wir nicht verstehen können. Und die Tradition, entstellt, durch die Phantasie verzerrt, lautet weiß Gott, wie anders als die Wahrheit! – Wie's immer sei, viel zu wenig Buchstaben für uns, als daß wir lesen könnten. Wir kennen das öffentliche Leben der Römer, wir kennen ihre Verfassung, ihre Gesetzgebung, ihre Kriege. Wir fanden hie und da eine Spur ihrer Priester, ein Lied, ein Buch ihrer Dichter. Das ist schier alles. Es war eine Zeit, die verständnislos wie eine Stubenmagd mit dem Besen alles wegfegte und verwischte, was dargestellt war.
Zum Glück nahm sich die Mutter Erde an und verbarg vor der Vernichterin ein Stück Altertum in ihren Schoß, um es uns, der forschenden Nachwelt, aufzubewahren.