»Wen meinst du, Wendelin?«

»Freda!« hauchte er matt.

Man trug ihn in einem geschlossenen Lederkasten ins nächste Lazarett; als sie ihn in der Halle niederließen und ich die Klappe öffnete, um zu fragen, wie er sich befinde, da waren die Lippen für immer verstummt.


Man erinnert sich vielleicht noch an eine Zeitungsnotiz, daß an jenem Oktobertage ein Mann einem Fiaker nachgelaufen, auf der Schwarzenbergbrücke mit dem Rufe: »Freda!« zusammengebrochen und bald darauf verschieden sei.

Aber man weiß wohl nicht, daß diese Notiz einen seltsamen Besuch in der Leichenhalle zur Folge gehabt hat. Eine fremde Dame fand sich ein, bat sich die Leiche des Zimmermalers Wendelin Blees aus, bekränzte sie mit Eichenlaub, überführte sie auf einen still und lieblich gelegenen Friedhof des Wienerwaldes und begrub sie in einem eigenen Grabe.

Auf dem Steine steht das Wort, das einzige Wort: »Verzeihe!«


Das Mündel-Kindel.