»Nein, dazu habe ich nie Talent gehabt,« sagte Alfons gelassen nach und schob auf dem Tisch das Salzgefäß beiseite, obschon es ihm nicht im Wege gewesen war. Und rief nach Bier. Aber als der Kellner um das Glas kam, wehrte er ab: »Ich danke. Ich trinke nicht mehr.«
Mit einiger Befremdung betrachtete nun der Bezirksrichter seinen Freund daraufhin, ob er nicht etwa krank sei. Der andere hielt das nun nicht mehr lange aus. Diese Gelegenheit war ihm ja erwünscht. Für die Länge ist solch ein Anliegen nicht zu ertragen, ohne es mitteilen zu können. Und wem sollte er es mitteilen, als diesem Manne, der, um etliche Jahre älter, entfernt mit ihm verwandt und seit Kindheit vertraut, sich stets als verläßlicher und verschwiegener Freund erwiesen hatte.
»Gustav,« sagte er plötzlich und rückte seinen Sessel. »Ich möchte dir etwas sagen. Vielleicht kannst du mir einen Rat geben. Aber sitzen bleiben möchte ich nicht hier. Machen wir einen Spaziergang.«
Sie legten ihre Münzen hin und gingen. Durch die Allee hinaus schwieg Alfons, erst als sie in den Eichenwald kamen, wo der Kiesweg mit dem Schatten der treibenden Baumzweige besprenkelt war, bückte er sich nach einem Steinchen, warf es wieder fort und sagte: »Denke dir, Gustav, ich habe Malheur gehabt. Mit der kleinen Blonden.«
»Mit der Strohhutmamsell? Aber das ist doch wohl tempi passati. Du hast mir ja schon lange nichts mehr von ihr erzählt.«
»Nun eben dann hättest du dir's denken können. Sie ist tot und – das Kind lebt.«
Da blieb der Richter stehen, kehrte sich dem Freunde zu und sagte leise und gedehnt: »Na, hörst du!« –
Alfons schaute ihn unsicher an. »Dein Richterantlitz magst du nur abseits lassen. Das kann ich jetzt nicht brauchen. Ich bin schwer abgestraft. So teuer ist dir das sicher nie zu stehen gekommen. Sie starb in der Klinik. Das Kleine – heute sechs Tage alt – ist im Findelhaus.«
»Nun also!« rief der Richter, aber Alfons fand den Ruf nicht ganz harmlos. »Entweder,« sagte er, »glaubst du, ich gebe mich mit dem Findelhaus zufrieden, oder –. Sei versichert, daß mir die Sache verteufelt nahegeht. Soll es nun ins Waisenhaus? Oder in eine andere Anstalt? Ich höre, man bringt so einen Wurm nirgends unter. Dann geben sie ihn aufs Land hinaus. Wo sie Engerl machen.«