»Schwerer Ersatz, gnädiger Herr!«

»Man nehme ihn zu den Soldaten!« sagte der Fürst.

Als der Forstmeister es dem Fischerjungen hinterbringen wollte, daß er durch allerhöchste Gnade in die Armee aufgenommen werde, war der Winard nicht mehr da. Die Vermutung lag nahe, daß er ins Ausland geflohen sei, denn er hatte ein Handbündel mitgenommen.

Wenige Tage nachher brachte die Post dem Fürsten ein kunstvoll und doch unbehilflich gefaltetes Brieflein. Das war vom Fischerjungen, dem das Schreiben nicht arg vonstatten ging. Der ließ sich vernehmen wörtlich wie folgt:

»Eier gnaden, gnädigster First und durchlauchdicker Herr!

Mus woll tausendmal um verzeihin biten wegen letztmal aber i kan nit anderst und vonwegen dem Mädel kunt i schlecht wern. Ich bit Ihnen, se kriegn bessere, lassens mir de, i bit Ihna kniefellig, sunst weis nit, was gschicht. Da thät ma wull all zamhalden, wann unsri Madln, die Bauern Madeln nit mehr sicher gangeten. Schreims mir nur bar zeillen das i mich verlassen kann und mich wieder aufzeign kann und wil mein Dienst fleißi verichten. Gnedigster Herr unterdeniger Diner

Winard Oberlimer.«

Der Winard Oberlimer wartete nun auf das Antwortschreiben des Fürsten. Er wußte wohl, daß hohe Herren sich nicht so leicht herbeilassen, mit Arbeitsleuten Briefe zu wechseln, aber in einem so wichtigen Falle, dachte er, würde der gnädige Herr doch eine Ausnahme machen. Er wartete Tage und Tage, er konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Wo er wartete, das wissen wir nicht, denn er hatte vergessen, in dem Briefe seinen Aufenthaltsort anzugeben. Auch der seidenhaarigen Hedwig hatte er geschrieben und ihr Vorwürfe gemacht darüber, weil sie, »die spottschlechte Person, sein glihend Hertz um eitel guld und ehr verkaufft« hätte. Die Hedwig wußte sein Versteck und antwortete ihm das Folgende:

»Mein Lebtag wär's mir nit eingefallen, das von wegen dem Fürsten, wie du meinst. Wenn ich dich auch einmal mit ihm gereizt hab. Aber dein Schimpf- und Spottbrief auf mich zeigt nit von deiner grossen Lieb und jetzt thu ichs. Nit wegen eitel Guld und Ehr, wie du schreibst, sondern weil mir ein guter freundlicher Mensch lieber ist, wie ein Zornnickel. Deine Wäsch hab ich dir aufs letztemal gewaschen und geflickt und kannst sie abholen lassen. Mit Achtung

Hedwig Sommerauer.«