Nun war Feuer auf dem Dache. Beim Straßenwirt an der Brücke kamen an Sonntagen die Burschen des Tales gern zusammen. Jetzt war der Winard unter ihnen und warb Streiter. Um das Gerücht wußte jeder schon, so brauchte er ihnen nur den Brief der Hedwig vorzulesen, als Beweis wie es stand.

»Kameraden!« rief er, »verlaßt's mich jetzt nit! Ihr wisset, wie wir uns gern gehabt haben, dieses Madel und ich. Und jetzt soll sie verdorben werden? Heiraten! Der Herr so eine von niedrigem Stamm? Wer's glaubt, ich nit. Und was mir geschieht, kann jedem geschehen. Einer allein kann nichts machen, der wird eingekottert. Zusammhalten! Verlaßt's mich nit, Kameraden!«

Etliche gaben zu bedenken, daß es eine gewagte Sache sei. Andere überstimmten sie: »Untertanenpflicht und Treu haben wir allzeit gehalten. Und wenn uns der Fürst Othmar jetzt ruft: In den Krieg für euer Land, für euern Herrn! so wird nicht einer das Hundsfott sein und sich drücken. Aber wir leben nicht mehr in der alten Zeit, Gott sei Dank, wir haben die Freiheit! Wenn's um unsern Schatz geht, da halten wir zusammen, gegen wen der will! Wir verlassen dich nicht, Winard!«

Der Nachtwächter im Ofenwinkel war schon lange unruhig gewesen, jetzt stand er auf, rüttelte am Ofengeländer, daß es klirrte und rief: »In diesem Tone kann ich nicht weiterreden lassen. Zerstreut euch!«

Brüllendes Gelächter. Sie zerstreuten sich nicht, sie bestellten frischen Trunk. Nur einer ging fort, ein einziger, und das war der Nachtwächter. –

Sachte entfalteten sich trübe Aussichten im Staate Schreckenburg. Die Leute waren ernster, mürrischer. Die Kirchen blieben leerer als sonst, die Wirtshäuser waren voll. Die Leute sangen nicht mehr ihre heiteren Lieder, sie steckten die Köpfe zusammen. Der Fürst bot den Heerbann auf. Nach wenigen Tagen teilte ihm der Kriegsminister, der in gewöhnlichen Zeitläuften das Grobschmiedgewerbe betrieb, mit bekümmerter Miene mit, daß im Reiche nicht alles so sei, wie es sein sollte.

»Ist dieser Winard Oberlimer eingezogen?« fragte der Fürst.

»Leider nein, gnädigster Herr. Der hat unten im Straßenwirtshaus an der Brücke ein förmliches Lager aufgeschlagen. Er hat Genossen. Sie haben den Verkehr mit den Nachbarsländern abgeschnitten, fangen die hereingehenden Waren ab, das Korn, den Wein. Unsere Holz- und Viehausfuhr ist gehemmt. Seit gestern ist auch die Post ausgeblieben.«

Nun verlor der Fürst die Ruhe. »Sofort die Truppen zusammenziehen und die Wegelagerer aufheben.« Nach etlichen raschen Schritten über die Dielen hin riß er den Kopf heftig empor und rief: »Die Rädelsführer standrechtlich erschießen!«

»Durchlauchtigster Herr,« sagte der Kriegsminister. »Schon vor drei Tagen sind die Reichstruppen einberufen worden. Aber – es kommt niemand.«