»Sie ist drinnen!« erscholl es im Menschenhaufen, der wie Wildwasser in den Hof flutete.

»Tun müßt's ihr nichts, ich bitt' euch!« lautete der Befehl des Fischerjungen.

»Umbringen niemanden!« schrie es von mehreren Seiten, »lebendiger ist der Vogel mehr wert als wie toter! Aber in den Käfig mit ihm! Für Hühnervolk ist ein einköpfiger Geier schon gefährlich, wie erst ein dreiköpfiger!«

Das Haustor hielt dem ersten Ansturme stand. Da wurden schon Leitern herbeigeschleppt, um zu den Fenstern hineinzusteigen. Roter Rauch wirbelte von den brüllenden Lunten empor an die Wände und übers Dachwerk. Zwei Männer taten einen großen Sack auseinander, um den Mädeljäger, wenn sie ihn gefangen hätten, hineinzustecken. Der Winard hatte aus dem Schuppen einen herrschaftlichen Kobelwagen hervorziehen lassen. Da hinein, wenn wir sie herunter haben! Mit zwei fürstlichen Rößlein will er die böse Hedwig in seine Hütte führen. Das Gejohle rings ums Schloß war so wüste, daß der alte Kammerdiener auf dem Söller vergeblich rief, wen's denn anginge? Den guten Fürsten oder die Majestäten, oder ihn selber? Wenn ihn selber, er trage sein altes Haupt willig herab.

»Feuer ins Dach!« Dieser Ruf war lauter als das Jammern des Alten. Etliche Männer hieben mit Äxten den Brunnenständer um und rollten den Trog über, daß das Wasser, anstatt Feuer zu löschen, auf dem Sande dahin sickerte. Ein Doppelfenster flog auf, so heftig, daß es schrillte. Es war oben im Zimmer des Fürsten. Er selbst stand am Fenster, rot beleuchtet von dem Fackelschein. Er wollte sprechen, das wurde bemerkt und dumpfer ward der Lärm. Der Fürst bog sich heraus, er hatte wieder seinen schwarzen Rock an. »Liebe Leute!« rief er. Das Gewoge wollte sich nicht legen, die Speere schlugen klirrend aneinander.

»Mein vielgeliebtes Volk!« rief er lauter, da wurde es still.

Der Fürst begann mit bewegter Stimme zu sprechen: »Ich bin erschüttert von der Kundgebung, ich bin hocherfreut von dem neuen Beweise euerer Liebe und Anhänglichkeit, mit der ihr mir ergeben seid. Es ist das größte Glück eines Fürsten, seine väterliche Huld vom Volke so gewürdigt zu sehen. Treu' um Treue! Und sinniger hättet ihr diese großartige Huldigung nicht anbringen können, als heute, an diesem Abende, an dem ich nebst dem Fürstenglücke auch das menschliche Herzensglück gefunden habe. Und schöner glaube ich diesen Beweis euerer Liebe nicht ehren zu können, als wenn ich euch jetzt euere künftige Herrscherin vorstelle …«

»Hört ihr's?« unterbrachen sie ihn.

Der Fürst wendete sich zur Seite, da stand neben ihm ein Weib.

»Die Hedwig?«