A. Nein, nicht lauter Besänftigungsbriefe an die Gläubiger, sondern auch Artigkeitsschreiben an gute Leute, die in Zuschriften meine Bücher loben und um Freiexemplare bitten; tiefsinnige Sprüche für Autographensammler, Gedichte für Anthologien und Wohltätigkeitsalbums. Ferner Antworten auf briefliche Anfragen wißbegieriger Leser, in welchem Bergwinkel der »Waldschulmeister« spielte, wann und wo sich die Geschichte des »Gottsucher« zugetragen habe, wo man die »Dorfsünden« zu kaufen und den »Heimgarten« zu schenken kriege? – So vergeht der Vormittag.
V. Und nachmittags?
A. Macht man sich über die historischen Dramen hoffnungsvoller Gymnasiasten, über die lyrischen Gedichte feinbesaiteter Ladenschwengel, über die Novellen und Romane höher gebildeter Töchter usw., die mit dem Ersuchen geschickt worden sind, darüber ein »wenn auch noch so strenges Urteil« zu fällen und sie einer Zeitungsredaktion oder einem Verleger zu rekommandieren. So vergeht der Tag.
V. Um Gotteswillen, wann dichten Sie denn Ihre Novellen und Skizzen, denen man in den Blättern begegnet?
A. Beim An- und Auskleiden, auf der Eisenbahn, wenn ich Besuch habe oder öffentlichen Vorlesungen über Kunst und Literatur beiwohne, bei welchen man ungestört seinen eigenen Gedanken nachhängen kann.
V. Gut. Und von diesen Dorfgeschichten, Waldnovellen, Volksschilderungen und dergleichen wollen wir wieder eine neue Sammlung flott machen.
A. Denken Sie an die Kritiker! Immer wieder Bauern und nichts als Bauern! Geben Sie acht, den Herren reißt endlich die Geduld!
V. So schreiben Sie einmal aus der Gesellschaft, aus der großen Welt.
A. Wollen Sie mich zugrunde richten? Wissen Sie nicht, daß man mir meine Dorfgeschichten nur verzeiht, weil es keine Stadtgeschichten sind? Wissen Sie nicht, daß die Rezensenten unruhig werden, so oft man einen Bauernburschen zu den Soldaten nimmt, oder ein hoffärtiges Dienstmädel aus einer Dorfgeschichte weg in die Stadt läuft – weil sie fürchten, daß der Autor diesen Leutchen nun geistig nicht mehr zu folgen vermöge!