V. Seit wann denken denn Sie an die Rezensenten, anstatt an das, was in Ihnen keimt und reift und gedichtet sein will? Hat die Gesellschaft, die Welt, in der Sie nun doch schon seit zwanzig Jahren leben, Sie denn niemals angeregt? Vermag denn das Kulturleben und seine alles mit sich fortreißende Gewalt, sein Tausenderlei von Gestalten, Ideen, Bestrebungen, Verirrungen Sie nicht zu begeistern, zu interessieren, aufzuregen, Ihre dichterische Kraft herauszufordern?
A. Gewiß.
V. Nun also! Warum schreiben Sie nicht auch Weltgeschichten, wie Sie Waldgeschichten schreiben?
A. Sie haben wirklich recht. Ich erinnere mich, daß selbst die fruchtbarste Scholle einmal brach liegen will. Oder was anderes hervorbringen möchte. – Auf meines Vaters Acker wollte nicht jedes Jahr Korn wachsen. So bauten wir auch manchmal Hafer drauf an, dann Kraut, Rüben, Flachs; oder ließen wildes Gras wachsen auf dem Acker. Nach all dem wuchs wieder schönes Korn. Eine solche Wechselwirtschaft ist endlich auch auf dem Dichterfeld nötig. Anstatt Waldgeschichten sollen Sie einen Band Weltgeschichten haben. Oder auch solche, die nicht äußerlich erlebt, vielmehr innerlich geschaut sind. Sie verstehen schon: Ich werde Ihnen ein Buch geben, das ich nicht hätte schreiben sollen. Von der Kritik mir untersagte Gebiete. Fremde Straßen mit der Aufschrift: Für Bauerndichter verbotener Weg. Trotzdem werde ich auf solchen Straßen einmal marschieren – weil es mich freut, wie den Burschen die Wanderschaft. – Bin ich doch wirklich schon viel herumgekommen, in der Gesellschaft unten und oben, in der Welt hier und dort, nicht allein von Tal zu Berg und von Land zur See, ich bin – auf den Beinen des ewigen Juden – durch die Geschichte geschritten von Epoche zu Epoche, bin gewandert vom Bauer bis zum Fürsten und wieder zurück bis zum Zigeuner. Ich habe nicht allein in der Werkstatt angehalten und in der Stube des Bürgers, sondern auch beim Lehrer und Gelehrten, beim Künstler und Soldaten, beim Geistlichen und Aristokraten. Ich habe erfahren, gelernt und gelesen, wie andere. Manches hat mich gefördert, vieles hat mir mißfallen. Daß ein freies Auge in Dorf und Wald klarer und richtiger sieht, als durch die Stadtbrille, ist natürlich. Aber die Freude, der Schmerz, der Spott und der Zorn über das, was ich auf meinen Wanderungen gesehen, schrie nicht minder laut nach Gestaltung, als die Eindrücke des Landlebens in meiner Heimat. Ich habe vieles davon aufgeschrieben.
V. Wo sind diese Manuskripte?
A. In meinem Kasten, mit sieben Schlössern verschlossen.
V. Und die Schlüssel?
A. Ins Wasser geworfen.
V. Ich habe einen Krebs gekauft, der Schlüssel in der Schere trug. Also können wir die Sachen drucken?
A. Sind Sie denn ein Freund von Krebsen, Herr Verleger?