»Hat Alte wieder Dummheit gemacht!« schnarrte der braune Mann mit fremdartiger Betonung, dann zog er sich wieder in sein Zimmer zurück und lehnte die Tür zu.

Eine kochende Hölle im Herzen, starrte ich das Weib an. Sie sank mit vollendetem Faltenwurf ihres Kleides zu meinen Füßen nieder und schluchzte: »Ach, verzeihen Sie mir! teurer Freund! Ich bin namenlos unglücklich!«

Mit der Fußspitze schob ich sie von mir. Ohne ein Wort zu verlieren, ging ich zur Tür hinaus. –

Seither – so dünkt mich fast – bin ich wesentlich klüger. Wenigstens kann ich dir Unterricht erteilen über den Begriff: Kokette, den du etwas flüchtig zu überspringen pflegst.


Ein Jünger Darwins.

Es möge sich unter dem Begriffe »Gott« jeder das Seine denken; wie man ihn verliert und wie man ihn findet, ich bin davon ein Beispiel aus vielen. Ich werde nicht philosophieren – die Sache geht mir zu sehr an's Herz.

Ich bin der Sohn eines niederösterreichischen Landwirtes. Nach einigen absolvierten Gymnasialklassen in Wiener-Neustadt kam ich auf die land- und forstwirtschaftliche Anstalt in Hermsdorf. Von Haus aus hatte ich eine sehr religiöse Erziehung genossen, wozu auch noch meine empfindsame Gemütsart kam. Daß mir bei jedem Abschiede meine Eltern gute Lehren gaben, brav zu bleiben und auf Gott nicht zu vergessen, bin ich jedoch nach und nach so gewohnt geworden, daß es gar keinen Eindruck auf mich mehr machte. Ich fand es im Grunde ja doch so selbstverständlich, für was hielten sie mich denn, wenn sie mir zutrauen konnten, unbrav zu werden und Gott zu vergessen!

Einen ganz anderen Eindruck hingegen machten eines Tages, als ich wieder ins Institut abreiste, auf mich die Worte unseres alten Pfarrers, der in der Volksschule mein Katechet und Beichtvater gewesen und dem ich als Knabe in der Dorfkirche ministriert hatte. Der saß in einem Ledersessel und zog mich neben sich nieder auf einen Stuhl und hielt mich an der Hand – die seine war völlig kühl – und sagte zu mir ungefähr folgendes: »Mein Sohn, so oft du fortgehst, befällt mich eine Bangigkeit. Wenn ich dir ins Auge schaue, da ist so viel Vertrauen d'rin. Du gehst munter in die Welt, es ist schön draußen, du wirst vieles Gute lernen, sie wird dir allerlei große Aufgaben stellen und allerlei Vergnügungen anbieten – und eines Tages wirst du gewahr werden, daß du den kindlichen Glauben an Gott nicht mehr hast.«