Theater, Museen, Konzerte – Fastenkost, nichts als Fastenkost. Tanzen, springen, rasen, leben! Die Leute sind sozusagen lebendig und wissen doch nicht, was leben heißt. Mit den Elitebällen wollte ich den Anfang machen, abwärts geht's leicht und nach der Mahlzeit, bildlich gesprochen, wo man etwas pikanten Käse liebt, nehme ich noch etwas »Orpheum« oder »Elysium« usw.
Am zweiten Tage erhielt ich Einladung in ein bekanntes Haus zum Diner. Ich bin im ganzen nicht für häusliche Zirkel hierhergekommen, derlei kultiviert man auf dem Lande zur Genüge. Doch, einmal kann man ja annehmen.
In der Familie waren – wie ich wußte – ein paar hübsche Kinder von achtzehn aufwärts. Vortrefflich, das weiht in die Gesellschaft, in die Verhältnisse des diesjährigen Faschings ein. Man lernt das Feld kennen, auf dem man siegen will und wird. Ich dekorierte mich mit einer Rosenknospe, die ich ins Knopfloch steckte, und begab mich ins Haus, in das ich geladen war. Am Eingangstore begegnete mir eine alte Frau. Man braucht nicht abergläubisch zu sein, um von einer solchen Begegnung an der Stufe eines Hauses, in dem man sich unterhalten will, unangenehm berührt zu werden. Ich kehrte um, fuhr noch ein paar Straßen auf und ab, um dann das zweitemal ins Haus zu treten.
Der Empfang war überaus herzlich. Vor allem überraschte mich die Wohnung. Man hat auf seinem Landgut auch Komfort, aber diese Eleganz – ich war überrascht! Die Gesellschaft war nicht groß, aber glänzend, blendend – reizende Mädchen darunter. Man ist nicht blöde; das Buch vom »guten Ton in der Gesellschaft« hat man im Kopf, man ist sattelfest in der Kunst des Tanzmeisters, in der Konversation, im Courmachen, kurz in allen ritterlichen Fertigkeiten eines Löwen. Man geht zu Tische; mir schneit der Zufall, nein, mein Glück, eine junge, entzückende Dame an den Arm, die ich an ihren Sitzplatz führe. Die alten Bekannten waren alsbald vertraulich; die sich bisher fremd gewesen, verstanden sich und es entwickelte sich jene ungebundene Munterkeit, die eine Gabe des Himmels ist, eine seltene Gabe, die keiner dem andern spenden kann, wenn sie nicht von selbst kommt. In feinen Kreisen kommt sie von selbst. Es ist doch ein anderes Leben in der Stadt als auf dem Dorfe. Alles so gebildet, so aufmerksam, so geistvoll! Es geht nichts über die Stadt.
Als wir im besten Schnabulieren waren – ich zertrennte just ein Stück Filet du Boeuf und sann mir dabei Artigkeiten aus, die ich meinen Beisitzerinnen sagen wollte – sprang die Hausfrau von ihrem Sitze auf und ihr Blick irrte schreckerfüllt über die Tischgesellschaft hin.
»Was ist?« war meine Frage an die Nachbarin. Man wird unruhig, auf allen Gesichtern Bestürzung. »Was ist geschehen?« fragte ich.
»Dreizehn!« hörte ich murmeln. »Dreizehn Personen an der Tafel!«
Alles sprang auf, aber die Hausfrau bat, daß man sich beruhige und vorläufig wieder an die Plätze begebe, damit das Unglaubliche nochmals untersucht werden könne.
Wir setzten uns wie auf glühende Kohlen. Die Dame des Hauses, die mir zur Linken saß, zählte von sich aus links hin die Anwesenden – es waren genau dreizehn – und ich war der dreizehnte.