An den verschiedenen Vorzeichen war aber doch was. Mir war der Fasching verdorben. Ich war überall dabei, man kann sagen, ich machte Glück – aber mir fehlte das Animo. Es war verrückt, ich dachte an die vierzehnte. Sie war nirgends dabei, aber sie saß in meiner Seele, geradeso hold und bescheiden, wie sie dort bei Tische gesessen. Das hat man davon.

»Bist du in einem Hause zur Mahlzeit geladen worden, so mache einige Tage nach derselben in dem betreffenden Hause eine Visite, gemeinhin die Verdauungsvisite genannt,« so heißt es im »Buch vom guten Ton«. Mir wäre es lieb gewesen, wenn der gute Ton zehn solche Visiten verlangt hätte. Übrigens war ich in der Familie auch ohne Vorschrift willkommen und die Töchter wurden von Tag zu Tag liebenswürdiger. Aber das meinte ich nicht. Durch ihre Vermittlung wurde ich zu Hausbällen geladen, wo sie vortanzten und wo sie mich bei den Damenwahlen höchlich auszeichneten. Aber das meinte ich nicht. Endlich luden sie mich nochmals zum Speisen; ach, wie hätte ich gewünscht, daß wir wieder dreizehn zu Tische säßen! Doch es waren unser bloß fünf Personen. – »Der engste Familienkreis,« wie die Hausfrau so anmutend sagte. Aber das meinte ich nicht.

Ich machte die unmaßgebliche Bemerkung, daß in den Familienkreis doch auch die kleineren Kinder gehörten. Die Töchter erröteten über diese Bemerkung. Aber das meinte ich nicht.

Bei der nächsten Visite verfehlte ich beim Fortgehen in meiner Gedankenlosigkeit die richtige Tür und stand plötzlich im Kindszimmer. Mitten unter den fröhlichen Kleinen – fröhlich mit ihnen – saß meine Vierzehnte.

Ein halbes Jahr später habe ich sie aus demselben Gemache geführt. Ein weißer Schleier umrahmte ihr liebes Angesicht, ein Myrtenzweig lag auf ihrem Haar.


Diese Zeilen schreibe ich heute – am Vorabende unseres silbernen Hochzeitstages. Tag für Tag sitzen wir zu dreizehn an unserem Tisch: Sie, ich und die elf Kinder. Man braucht darum nicht abergläubisch zu sein: aber welch ein Glück, so zu seinen dreizehn mitsammen zu speisen!