In N. angelangt, wollte ich meinem stummen Nachbar etwas zu essen verschaffen, aber er sprang selbst auf, nahm am Schänktisch Schinken und Bier, warf dafür den Betrag hin, setzte sich wieder ins Abteil und vermummte sich in den Pelz.

»Er weiß sich doch zu helfen,« sagte eine der Frauen.

»In den Taubstummen-Instituten genießen solche Leute heutzutage ja eine beinahe vollkommene Ausbildung.«

Und sie hielten der Humanität ihres Jahrhunderts eine gebührende Lobrede.

»Ein wunderschöner Mensch!« hauchte eine der Frauen, in das Anschauen des Unglücklichen versunken.

Dann war davon die Rede, ob er etwa gar verheiratet sei, oder ob Taubstumme überhaupt heiraten dürften; ein gesundes Mädchen; ob sich der Zustand auch auf die Kinder fortpflanze.

»Bleiben natürlich nur auf einem Ohre taub,« war eine Ansicht.

»Und stumm nur die Knaben,« gab ich zu, »bei Frauen ist überhaupt dieser Mangel schwer zu denken.«

So spielte sich das Gespräch, dann kam anderes dazwischen, auch jene Müdigkeit, der bei längerer Fahrt jeder Reisende, er mag anfangs auch noch so frisch gewesen sein, anheimfällt. Schien es doch, als hätte uns der Taubstumme angesteckt, bis wir endlich um die Abenddämmerung in den Bahnhof von G. einfuhren.

Das Jahrhundert reiste, nachdem ich mich recht artig von ihm verabschiedet hatte, weiter; ich suchte dem aussteigenden Taubstummen behilflich zu sein, dieser war dann in der Menschenmenge rasch verschwunden.