[Er will mich nicht verstehen.]

Er will mich nicht verstehen.
Und wenn ich ihm nicke
Mit glühendem Blicke
Den Morgengruß zu;
Und wenn ich ihm pflücke
Ein Blümlein, und schicke
Ein Bändchen dazu;
So fragt er noch: Warum?
Und will mich nicht verstehen!

Er will mich nicht verstehen.
Und wenn ich die lose
Und blühende Rose
Gar minniglich küß';
Und ich ihm dann sage,
Halb klage, halb frage:
Ist küssen nicht süß?
So fragt er kalt: Warum?
Und will mich nicht verstehen!

Er will mich nicht verstehen!
Und sag' ich auch innig:
Ich habe so sinnig
Geträumt von dir;
Als hätt' ich am Raine
Das Häuschen, das kleine,
Bewohnt mit dir!
So fragt er leis': Warum?
Und will mich nicht verstehen!

Er mag mich nicht verstehen.
Und wenn ich die Arme
Ihm reich', Gott erbarme!
Er ist viel zu blöd'! —
— Ei! wäre ich Mädchen
Des Nachbars jung' Gretchen,
Er tät nicht so spröd';
Er fragte nicht: Warum?
Er würde mich verstehen!

[Der Stern im See.]

Ein schöner Stern
Ganz lockend licht
Erglänzt im See so wunderlich.
— Ein Mädchen lacht
So süß und spricht:
Ich liebe dich!

Gib acht, gib acht,
Der See ist kalt,
Er spiegelt nur
Das Himmelslicht —
Ein falscher Stern,
Ein falsches Herz;
Vertrau ihm nicht!