Der Zeiger kreiset stetig in der Runde,
Ein Sinnbild, wie das Weltenuhrwerk kreist;
Dein Herz, o Mensch, ist endlich wie die Stunde,
Unendlich wie die Runde ist dein Geist.
[Ungeduld.]
*
O lieber Gott, wo werden jene Stunden sein,
In welchen mir der Lorbeer wird gewunden sein!
»Ha, suche dir die Zweige!« spricht die kluge Welt,
»Denn jedes Glück will mühevoll gefunden sein.«
Ich darf es nicht, die strenge Pflicht hält mich zurück.
Warum muß ich durch Sorg' und Not gebunden sein?
Vielleicht, daß man mir einst die schweren Bande löst,
Doch wird bishin schon Kraft und Will' verschwunden sein.
Und bis man mir zu Lab den milden Balsam beut,
Oh, können wohl vernarbt die heißen Wunden sein.
Und wenn man jauchzend einst den vollen Becher reicht,
Kann der Verschmachtete schon längst tief unten sein.
Der späte Tropfen, der sein einsam Grab benetzt,
Wird, traun, vom Schläfer nimmermehr empfunden sein.
[Wilder Waldespsalm.]
Ihr Häupter in goldiger Morgenglut,
O blicket aus Himmelshöh' nieder
Zum Sänger, der sinnend im Moose ruht,
Euch feiernd durch harmlose Lieder.
Wie lodert dort oben der Gletscherschein,
Wie flüstert im Schatten die Quelle:
O schenkt mir von eurer Herrlichkeit ein,
Bis trunken die sehnende Seele.
Als einst ich verloren die ganze Welt,
Den Glauben, die Hoffnung, die Liebe,
Und als mir die glitzernden Freuden vergällt
Im wüsten Weltgetriebe;
Und als ich mein junges Leben verpraßt,
Weil es ohne Reiz mir und Wert war,
Und als ich den Mann auf der Straße gehaßt,
Weil er wie ich auf der Erd' war.
Da zog ich hinaus wie ein dachloser Hund,
Mich selbst und das Dasein verfluchend,
Da schritt ich verloren, im Waldesgrund
Einen luftigen Baumast mir suchend.
Doch siehe, da war kein Ast mir recht,
Der war mir zu hoch, der zu nieder,
Ein dritter zu gut, ein vierter zu schlecht,
Ein fünfter mir anders zuwider.