Die Qualen unsrer Seele,
Dir sind sie nicht bewußt,
Beneidenswertes Untier
Mit deiner hohlen Brust.

Der Erde heiße Herzglut,
Sie kann dich nicht erreichen,
Des Lebens wilde Schmerzflut
Dich nimmermehr erweichen.

Das wilde G'jaid der Not,
Das um den Erdball hetzet,
An dem sich jedes Herz
Langsam zum Tod verletzet,

Du bist davor gefeit.
Das Stöhnen in der Brust
Des Nächsten ist dir, traun,
Ergötzlichkeit und Lust.

Dich bindet keine Sitte
Und keine Menschlichkeit.
Immun bist gegen Liebe,
Immun auch gegen Leid.

Dein Sittensprüchlein lautet:
's gibt weder Gut noch Schlecht.
Wer siegt, das ist der Herrscher,
Wer stark ist, der hat recht. —

Des andern Tags die Richter
Erörtern das Gesetz;
Dich langweilt »dieses öde
Und müßige Geschwätz«.

Von Gut und Böse jenseits
Bist du durch nichts beenget,
Kein Mitleid, kein Gewissen
Je dein Gemüt bedränget.

Die Macht war deine Gottheit. —
Nun hat sie sich gewandt,
Der Stärkre hat den Schwächern
Vor das Gericht gebannt.

Wirst du es auch nicht spüren,
Du eisenharter Mann,
Wenn sie an dir vollführen,
Was andern du getan?