[Unterricht für moderne Poeten.]

Dichter, wenn du für die Leute
Dichten willst, so sei gescheute,
Baue, sollst du etwas gelten,
Ihnen pappendeckne Welten,
Helden, die mit Spagatschnüren
Hübsch sind durch den Plan zu führen.
Dichte Gärten, wo die Grillen
Statt zu zirpen Flöten spielen.
Und zur schönen Augenweide
Dichte Rosen fein aus Seide,
Daß sie duften, Herr Verfasser,
Dichte Tau aus Kölnerwasser.
Mit Magie und Zauberstücken
Magst du ihren Kopf berücken.
Lorbeerkranz wird zwar nicht echt sein,
Doch aus Gold wird er dir recht sein. —
Eins nur, laß die Leute schauen
Nie in deines Herzens Auen.
Deines Gartens schönste Blüte,
Holde Rosen im Gemüte
Würden sie auf Graswert messen
Und mit plumpen Schnauzen fressen.

[Des Sängers Verzweiflung.]

Während eines blutigen Krieges.

Am erstbesten Eichbaum zerschlag' ich die Leier! —
Zerberste, zerschelle in schnöde Scherben,
Stöhne, schrille im Sterben zum letztenmal falschen Gesang! —

Da sangen die Saiten
Von grünender Erde! —
Rot muß sie sein, von Menschenblut rot sein!
Schießt und stecht und schlaget sie nieder
Die Menschen, die elenden, wo ihr sie findet!
Auf furchigen Feldern,
Bei goldenen Garben,
Heiteren Herzens im Schäferhaine;
In brausender Werkstatt voll regen Fleißes,
Auf rollenden Rädern,
Auf wogenden Wellen in Handel und Wandel;
Auch zwischen den Wänden der Schule, des Wissens,
Im Tempel der göttlichen Kunst, erglühend
Im Schönen und Wahren.
Wo ihr sie findet, trotzig sich freuend, die Menschen,
Schießt und stecht und schlaget sie nieder!

Was soll sie, die flackernde Flamme
Am häuslichen Herde?
Befreit sie und pflanzt die lebendigen Fahnen
Auf Türme und Dächer,
Auf prangende Zinnen stolzer Paläste!
Was lohet und leuchtet entfachet zu Lunten,
Gebilde der Menschen schmelzt ein in den Gluttopf.

Da sangen die Saiten
Von blauem Himmel voll Sonnen und Sterne!
Rot muß er sein, der herrliche Himmel muß rot sein!
Tauchet die Pinsel in brennende Städte
Malet mit lohen Gluten den Himmel;
Wölbet mit Wolken des wogenden Rauches
Den Flammenofen über der Erde,
Daß keine der sengenden Sonnen, der stechenden Sterne
Keiner uns trübe das Schauspiel!