Der XVII. Artikel. Von der Wiederkunst Christi zum Gericht.

Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am Juengsten Tage kommen wird, zu richten, und alle toten auferwecken, den Glaeubigen und Auserwaehlten ewiges Leben und ewige Freude geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hoelle und ewige Strafe verdammen [wird].

Derhalben werden die Wiedertaeufer verworfen, so lehren, dass die Teufel und [die] verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden.

Item, hier werden verworfen etlich juedische Lehren, die sich auch jetzund ereignen, dass vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgen werden.

Der XVIII. Artikel. Vom freien Willen

Vom freien Willen wird gelehrt, dass der Mensch etlichermassen einen freien Willen hat, aeusserlich ehrbar zu leben und zu waehlen unter den Dingen, so die Vernunst begreift; aber ohne Gnade, Hilfe und Wirkung des Heiligen Geistes vermag der Mensch nicht Gott gefaellig [zu] werden, Gott herzlich zu fuerchten oder zu glauben oder die angeborne boese Lust aus dem Herzen zu werfen, sondern solches geschieht durch den Heiligen Geist, welcher durch Gottes Wort gegeben wird. Denn Paulus spricht 1 Kor. 2, 14: "Der natuerliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes."

Und damit man erkennen moege, dass hierin keine Neuigkeit gelehrt werde, so sind das die klaren Worte Augustini vom freien Willen, wie jetzund hierbei geschrieben aus dem 3.Buch "Hypognostiton" [Verfasser dieser antipelagianishcen Schrift ist nicht Augustin, sondern Marius Mercator oder der Presbyter Sixtus, der nach Coelestin Bischof zu Rom wurde]: "Wir bekennen, dass in allen Menschen ein freier Wille ist; denn sie haben je alle natuerlichen, angebornen Verstand und Vernunst, nicht dass sie etwas vermoegen, mit Gott zu handeln, als, Gott von Herzen zu lieben, zu fuerchten; sondern allein in aeusserlichen Werken dieses Lebens haben sie Freiheit, Gutes oder Boeses zu waehlen. Gutes, meine ich, das die Natur vermag, als auf dem Acker zu arbeiten oder nicht, zu essen, zu trinken, zu einem Freunde zu gehen oder nicht, ein Kleid an= oder auszutun, zu bauen, ein Weib zu nahmen, ein Handwerk zu treiben und derglichen etwas Nuetzliches und Gutes zu tun; welches alles doch ohne Gott nicht is noch besteht, sondern alles aus ihm und durch ihn ist. Dagegen kann der Mensch auch Boeses aus eigener Wahl vornehmen, als vor einem Abgott niederzuknien, einen Totschlag zu tun usw."

Der XIX. Artikel. Von der Ursache der Suende.

Von [der] Ursache der Suende wird bei uns gelehrt, dass, wiewohl Gott der Allmaechtige die ganze Nature geschaffen hat und erhaelt, so wirkt doch der verkehrte Wille die Suende in allen Boesen und Veraechtern Gottes; wie denn des Teufels Wille ist und aller Gottlosen, welcher alsbald, so Gott die Hand abgetan, sich von Gott zum Argen gewandt hat, wie Christus spricht Joh. 8,44: "Der Teufel redet Luegen aus seinem Eigenen."

Der XX. Artikel. Vom Glauben und guten Werken.