Und dieser große Edelmann, als er wieder in sein Geburts- und Vaterland Frankreich zurückkehrte, wo er der Gegenstand des Hasses oder Widerwillens des Hofes, der Minister, der Großen und ihrer Diener und Beamten war – wie anders mußte ihm da Alles erscheinen! Ein Welttheil bringt ihm Verwünschungen für dieselben Gesinnungen, derentwillen ihm ein anderer dankbar den unsterblichen Lorbeer reichte. Die Nachwelt wird strenges Gericht über die Menschen unserer Tage halten.
Gern wäre ich Zeuge von Lafayettens Empfang in Newyork gewesen, wo schon große Zubereitungen veranstaltet wurden. Da sich seine Ankunft aber von Tag zu Tag verzögerte, wollte ich nicht länger verweilen und bestieg ein Dampfschiff, welches nach Albany ging.
Täglich fahren drei Dampfboote von Newyork dahin, die auf dem Hudson binnen achtzehn bis vierundzwanzig Stunden die fünfzig Wegstunden lange Strecke bis Albany zurücklegen. Diese Boote, welche zu den größten der Vereinstaaten gehören, gehen nicht über Albany hinaus, sondern werden von minder großen abgelöset, die dann den Hudson hinauf durch den Georgs- und Champlainsee auf dem Lorenzenstrom nach Canada gehen. Der Hudson, oder Northriver, wie er auch heißt, und bei New-York, wo er sich ins Meer ausmündet, drei Viertelstunden, bei Albany beinah noch eine kleine halbe Stunde breit ist, bildet sich eigentlich in seiner Größe erst durch die einfallenden Gewässer des Sacondaga und Mohawk. Seine Ufer sind an einigen Orten sehr schroff, von weißgrauen Kalkfelsen, mit Tannen und Eichen besäumt. Von Zeit zu Zeit erscheinen artige Landhäuser, Bauerhöfe und kleine Ortschaften auf fruchtbarem Gefilde.
Weil ich immer auf dem Verdeck geblieben war, hatte ich nicht bemerkt, wie große Gesellschaft sich mit mir auf dem Boote befand. Es waren hundert und achtzig Reisende. Frauenzimmer und Herren hatten ihre besondern Säle; wer mit jenen speisen wollte, mußte, mit Angabe seines Namens, beim Kapitän um Erlaubniß bitten. Er führte mich also in ihren Saal. Man setzte sich in bunter Reihe an zwei langen Tafeln zum Frühstück, welches mit ausgewählten Platten versorgt war. Auch hier schien weniger eine vom Zufall zusammengeführte Reisegesellschaft, als eine Versammlung eingeladener Gäste beisammen zu sein; so sorgfältig und anständig war der Anzug Aller, so gesellig, fein und ungebunden war die gegenseitige Unterhaltung.
Wir kamen am Städtchen Orange-Town, dreizehn Stunden von Newyork, dann fünf Stunden weiter bei West-Point vorbei, wo das vorzüglichste Kollegium für die Jugend der Vereinstaaten ist. Unter den hiesigen Zöglingen befinden sich auch zweihundert und fünfzig meistens Söhne von Wittwen, oder von Militärpersonen, die den letzten Krieg mitgemacht hatten. Sie werden hier für den Land- und Seedienst der Vereinstaaten auf öffentliche Kosten erzogen.
Der Hudson wimmelt von Sloops und Fahrzeugen, die sich nur mit dem Winde, oder der Fluth und Ebbe fortbewegen, welche noch über dreißig Stunden von der Flußmündung spürbar ist. Man sagte mir, es wären täglich wohl bei zweitausend solcher Sloops auf dem Hudson thätig.
Die drei größten Dampfboote dieses Flusses waren damals der Chancellor Levington von achtzig Pferdestärken, und geräumig genug, um fünfhundert Reisende bequem zu halten; der Richmond zu siebenzig Pferdestärken, für vierhundert Reisende; und der Kent von sechszig Pferdestärken, der dreihundert Reisende aufnehmen konnte. Alle diese Fahrzeuge sind in verschiedene Gemächer getheilt. Das schönste derselben ist für die Frauenzimmer, und zwar als ihr ausschließlich eigenes, bestimmt; das nachschönste ist für sie und für die jungen Männer, denen der Kapitän Zutritt gestattet. Zwei andere, größere Säle sind einzig für Männer. Alle diese Zimmer sind, wie auf andern Schiffen, seitwärts mit Betten versehen, von denen stets eins über ein anderes angebracht und mit Umhängen, einen auswärts gehenden Bogen bildend, verdeckt sind.
In der Schiffsmitte und zur Seite befinden sich noch kleine Gemächer zu besonderm Zweck, z. B. ein Badstübchen, ein Lesezimmer mit den Werken amerikanischer und britischer Schriftsteller; die Küchen, die Gemächer der Schiffsmannschaft, der Mechaniker, Matrosen, Köche, Mägde und Bedienten, deren zusammen etwa zwanzig Personen sind.
Des Nachts verbreiten große Hängeleuchter die möglichste Heiterkeit rings ums Schiff und warnen die Sloops schon von Weitem, auszuweichen. – Die Seitenräder haben zweiunddreißig Schuh im Durchmesser, und geben dem Schiffe die Geschwindigkeit, binnen einer Stunde Zeit stromauf zwei Wegstunden, und stromab drei Wegstunden zurückzulegen.
Das Ausschiffen und Aufnehmen von Reisenden unterwegs raubt wenig Zeit. Die Schiffsglocke ruft an. Ein am Aussenbord hangender Nachen, groß genug, acht Personen zu fassen, wird schnell ins Wasser gelassen. Die Reisenden steigen bequem auf einer eisernen Geländerstiege vom Schiff ein. Zwei Ruderer bringen den Nachen schnell ans Ufer, während der Matrose am Steuer hinten ein Seil, das am Dampfboot befestigt ist, allmälig abrollen läßt. Aus- und Einladen des Nachens am Ufer ist Sache weniger Minuten. Der Pilot gibt dem Dampfschiff ein Zeichen; sogleich setzt sich dort durch den Mechanismus ein Zylinder in Bewegung, der das Seil des Nachens aufrollt und diesen an sich zieht.