Es war an einem schönen Sonntagsmorgen um fünf Uhr (15. Aug.), als wir vor dem Städtchen Hudson anlangten. Es stellt sich dem Auge gar freundlich dar. Es mag drei- bis viertausend Einwohner haben. Von Zeit zu Zeit tönten den ganzen Vormittag die Kirchenglocken über die Landschaft, welche die Bewohner der umherliegenden Höfe zur Andacht riefen. Um eilf Uhr Morgens kamen wir endlich zu Albany an.
Diese Stadt zählt jetzt vierzehntausend Bewohner und ist ganz in Art und Weise der übrigen neuen Städte Amerika's gebaut. Albany's Handelsverkehr ist sehr bedeutend, weil sich hier der Stapelplatz aller Erzeugnisse vom Norden des Newyorker Staates bis Canada befindet, besonders seit dem Bau des herrlichen Kanals, der vom Hudson bei Albany bis zum Erie-See läuft.
Dies Meisterstück der Kunst und des amerikanischen Gemeingeistes verdient gekannt zu sein. Man denke sich, daß dieser Kanal hundert und zehn Stunden lang ist; daß man über demselben fünfhundert und sechsundfünfzig hölzerne Brücken zählt, und siebenundvierzig Schleusen, jede sieben Schuh höher (denn dies ist der Fall vom Eriesee bis zum Hudsonufer); man denke sich, daß mehrere Leitungen angebracht sind, die das Wasser über Sümpfe und kleine Seen führen (die größte bei Rochester, mehr denn sechsundsechszig Stunden von Albany, ganz von Stein, mit einer Seitenstraße für die Rosse, um die Schiffe zu ziehen) – man denke sich diesen großen, festen Bau des Ganzen, und dann – daß das Alles in Zeit von zwei Jahren vollendet ward.
Ich verweilte in Albany nicht lange; begnügte mich mit einer Besichtigung des Innern der Stadt, nahm einen Reisewagen, übernachtete in Skenectady und befand mich andern Morgens in den berühmten Bädern von Saratoga.
16.
Saratoga's Heilquellen. Utica.
(16. bis 19. Aug.)
Ein junger, gebildeter, sehr unterrichteter Quaker war mein Reisegefährte bis hierher gewesen. Wir gewannen einander lieb und blieben in Saratoga beständig beisammen. Alle Religionen und alle Kirchpartheien haben ihren heiligen Grund und sind wahrlich in ihrem Wesentlichen und Göttlichen nicht so sehr von einander verschieden, als die Menschen in denselben, welche aus Religion und Kirche Werkzeuge ihrer Selbstsucht, ihres Hochmuths, ihrer Milzsüchtigkeit machen und die dummgläubige Unwissenheit Anderer fanatisiren und leiten.
Die Umgegenden von Saratoga schienen mir gar wild. Die Stadt selbst besteht nur aus einer einzigen, sehr breiten aber noch ungepflasterten Straße. Baumstöcke, die hin und wieder mit Wurzelstöcken über einander liegen, deuten an, vor wie weniger Zeit noch der Platz, wo der Ort aufgebaut ist, ein finsterer Wald gewesen, den die Bären bewohnten, die auch jetzt noch oft in der Nachbarschaft sichtbar sind.
Jäger entdeckten vor etwa zehn Jahren zuerst hier die Mineralquellen. Erst seit vier Jahren baute man die prächtigen, pallastartigen Gasthäuser auf, deren nun schon zehn vorhanden sind. Das vornehmste derselben ist ohne Zweifel Congreß-Hall; dann folgen Union-Hall, United-Staten-Hall und der Pavillon. Die Anzahl der Kurgäste, welche sich bei meiner Ankunft hier befand, betrug 1230 Personen, Leute aus allen Staaten des Vereins und Südamerika's, auch einige Europäer.
Der Heilquellen sollen um Saratoga bei zwanzig sein. Begleiter von meinem Freunde, dem Quäker, besucht' ich und kostete ich mehrere. Man bemerkte uns jedesmal, bei welcher die Kur begonnen, bei welcher sie beendet werden müsse. Einige lauwarme Quellen hatten den Geschmack von denen zu Baden im Kanton Aargau; andere glichen dem Selterserwasser; die Quelle von Balston, zwei Stunden von Saratoga, hatte die größte Aehnlichkeit mit der vom Schwarzbrünnli bei Gurnigel im Kanton Bern.
Nur wenige Gäste baden; die meisten begnügen sich mit Trinken des Wassers. Des Morgens sieht man in dieser werdenden Stadt Alles von Gehenden und Kommenden belebt. An jeder Quelle stehen ein paar Kinder, die mit einem Stabe, an dessen Ende drei Gläser in eisernen Reifen oder Käfigen hängen, das Wasser schöpfen und den sie umringenden Trinkern bieten.