Unter den Trinkern befand sich auch der ehemalige König von Spanien, Joseph Bonaparte. Er scheint sich als freier harmloser Bewohner eines Freistaats weit glücklicher zu fühlen, denn vor Zeiten im königlichen Glanz. Er, von etwas mehr als mittlerer Stärke, hat ein volles, ausdrucksreiches Gesicht und angenehmere, freundlichere Züge, als sein Bruder, der große Napoleon.

Noch ist in Saratoga nur Alles erste, rohe Anlage; Sorge für das dringendste Bedürfniß. Noch fehlt es selbst an Lustgängen für die Gäste. Die Umgegend hat indessen viel Anmuth, obgleich sie von Wäldern und kleinen Hügeln umringt ist. Auf einem dieser Hügel, nicht weit vom Orte, hat man eine Aussicht bis zum St. Georgensee.

Dennoch fehlt es in dieser Gegend, wo sonst die Wilden, vom Stamm der Irokesen, hauseten, wo man in den nahen Waldungen noch die Ueberbleibsel ihrer zahlreichen Befestigungen, ihrer Gräber u. s. w. erblickt, nicht an Mitteln des geselligen oder einsamen Genusses. – In einem Lesesaal fand ich die Werke der besten amerikanischen und englischen Gelehrten, und bei hundert verschiedene Zeitungen aus allen Staaten des Vereins. Der Saal war von stillen Lesern angefüllt. Ueber demselben ist ein anderer Saal, in welchem man Liebhabern eine Sammlung von Mineralien und andern Naturmerkwürdigkeiten, oder Kunsterzeugnissen der Indianer vorzeigt, die man in den Umgegenden gefunden hat.

Auch Schauspiel fand sich. Eine Gesellschaft kommt zu gewissen Zeiten von Newyork hierher und giebt ihre Vorstellungen. Ich hatte sie schon in Newyork gesehen und sehr mittelmäßig gefunden. In Congreß-Hall gab es, durch Unterschriften, Abends einen Ball. Man walzt in Amerika wenig; desto mehr sind Quadrillen beliebt und eine Art Hopser.

In Skenectady, wo ich einen Preussen mit seiner Gemahlin fand, der von St. Thomas kam, wo er Consul war, und nach Saratoga reisete, bestieg ich ein langes, bedecktes Schiff, um den großen Kanal hinauf zu fahren. Zwei Jagdhörner gaben das Zeichen zur Abreise; sie waren es auch, welche den Schleusenwächtern die Ankunft des Schiffes verkündeten, so wie den beiden Zugpferden, die alle zwei und eine halbe Stunde gewechselt wurden, da sie in dieser Zeit im scharfen Trott fünf Wegstunden zurückgelegt hatten. – Der Uebergang von einer Schleuse in die andere ist Geschäft von zwei Minuten. In vierundzwanzig Stunden hatten wir vierzig Wegstunden gemacht.

Bei Utica, einem Städtchen von zweitausend Seelen, am Ufer des Mohawkflusses, hielten wir an. Der Kanal geht über diesen sich viel schlängelnden Strom mehrmals hinüber, oft zwanzig Schuh mit der Wasserleitung über der Oberfläche des Flusses. Und immer ist dabei seitwärts doch Raum zu einem Weg für die Rosse gespart, die das Schiff ziehen.

Wir waren unserer sechsunddreißig Reisende auf dem Fahrzeuge. Von der Gegend war selten viel zu sehen, der Kanal schneidet meistens schnurgrade durch Thäler und unermeßliche Waldungen. Hier ist noch der Boden in uralter Wildniß; wenig bevölkert. In der Nähe des kleinen Fleckens Frankfurt hörten wir das Tosen eines Wasserfalles, der ziemlich beträchtlich sein soll.

Aber diese Einöden werden durch die Nähe des Kanals bald lebendig und urbar werden. Schon jetzt wird die Stadt Utica blühend. An einer Seite derselben, wo vor Kurzem noch der finstere Rest eines Waldes verschont stand, ist jetzt ein breites Wasserbecken gebaut, in welchem zierliche Schiffe, beladen mit Waaren und Menschen, landen. Täglich brachten in den Monaten Juli und August, der Zeitung von Utica zu Folge, zwei Schiffe fünfzig bis sechszig Reisende, von denen die mehrsten nach dem Erie- und Ontario-See gingen. Nicht so zahlreich, wie ich nachher aus der Newyorker Zeitung ersah, sind die Reisenden im Spätjahr. Hingegen der Waarenverkehr zeigte sich noch im Oktober 1824 so lebhaft, wie im August, da ich selbst in Utika war.*)

*) Es kann Liebhabern der Statistik vielleicht lieb sein, zu erfahren, welche Arten Waaren vorzüglich nach Utica gebracht wurden. In einem Jahrzehend ist's gewiß anders; aber dann könnte es noch geschichtlich anziehend werden. Ich will also das Verzeichniß der in Utica während der ersten Oktoberwoche 1824 eingeführten Waaren hersetzen, wie ich dasselbe in mein Reisetaschenbuch aus der Newyorker Zeitung damals eintrug.

Die in erwähnter Woche zu Utica eingelaufenen 127 Fahrzeuge führten: 3310 Faß Mehl, das Faß zu 6 Scheffel; 1686 Faß Salz; 315 Faß Lebensmittel; 460 Faß Asche; 6300 Scheffel Getreide; 130 Scheffel Leinsamen; 763 Scheffel Pfirsiche zum Destilliren; 9094 Gallonen Whisky (Kornbranntwein, der Gallon hält 2 Maas); 105,844 Fuß Brett- und Zimmerholz; 10,000 Latten- und Schindelbünde; 158 Zentner Speck und Butter; 323 Tonnen Gyps; 500 Tonnen anderes Material; 27 Tonnen Käse; 30 Tonnen Hopfen; 953 Kisten Glaswaaren; 19 Zentner Sämereien; 91 Tonnen Porzellanthon; 15 Kisten Kleider; 3 Kisten rohe Häute; 3 Tonnen Gänsefedern. Ausserdem viele andere Kleinigkeiten.