Südwärts der Stadt, die sich mit ihren 150 Häusern und drei Kirchen auf ihrer Höhe gar städtisch ausnimmt, kann man noch Ueberbleibsel einer ältern Niederlassung wahrnehmen. Es hatten sich da vorzeiten französische Pflanzer auf einer Landzunge angebaut, die sie Presqu'isle nannten. Der Boden war sehr gut, das Klima gesund; allein die allzugroße Entfernung von allen andern bewohnten Orten zwang sie, das Land wieder zu verlassen. Kurze Zeit nachher gründeten die Amerikaner die Stadt Erie. Wenn einmal die Ufer des Sees bevölkerter sind, wird diese Stadt sehr bedeutend werden müssen.

Mit Anbruch des folgenden Tages ging die Reise südwärts, nach Pittsburg. Wir kamen abermals an Ueberbleibseln einer französischen Niederlassung, Lebeuf geheißen, etwa fünf Stunden von Erie, vorbei, die das Schicksal von Presqu'isle gehabt hatte. Dagegen sahen wir, zwei gute Stunden weiter hin, die holländische Niederlassung Waterfort in sehr blühendem Zustande. Wir frühstückten hier in einem sehr guten Wirthshause. Zu Meadville, zehn Stunden von da, hielten wir etwas an. Ich traf da mit einem Herrn zusammen, der mit gleicher Leichtigkeit englisch, deutsch und französisch sprach. Seine Unterhaltung war für mich sehr belehrend. Vermuthlich hielt er mich für den Geschäftsführer einiger europäischen Auswanderer-Gesellschaften. Er trug mir Ländereien zum Kauf an, den Acker zu zwei und drei Dollars. Es war ein Herr H**, Agent einer holländischen Kompagnie.

Erst spät Nachts kamen wir in das Städtchen Mercer, welches dem Städtchen Meadville glich. Beide nämlich sind neue Städte. Man wird nun wissen, was darunter zu verstehen ist. Vorzeiten ging der Weg hieher durch die Veste Wenango, die wir weit links gelassen hatten.

Ich war seit den vorigen Tagen, von den Wasserfällen des Niagara weg, durch ungeheure Einsamkeiten fortgeführt worden. Aber sie konnten nicht mit denen verglichen werden, die sich zwischen Mercer und Pittsburg am folgenden Tage auslagerten. Es ist eine Strecke von zwanzig Wegstunden, und wir sahen nur das einzige Städtlein Buttler; fuhren oft fünf bis sechs Stunden, ohne eine Hütte, vergraben im Gebüsch, zu erblicken. Alles ein endloser Wald, dessen finstere, durch einander gewachsene Zweige selten nur einen freundlichen Strahl des Himmels auf uns niederzufallen erlaubten.

Es läßt sich denken, wie es um die Poststraße dieser unbewohnten Welt stand. Wir hatten vier wackere Rosse; wir waren im Wagen unserer nur drei Reisende, und doch kostete es keine geringe Mühe und Noth, vorwärts zu kommen. Beim vorletzten Pferdewechseln liefen wir am Ende noch Gefahr, Hals und Beine zu brechen. Es ging eben einen Hügel steil abwärts. Die Amerikaner pflegen keine Räder zu spannen, sondern lassen die Pferde geschwinder laufen, oft im Galopp bergab. So machte es unser Postknecht. Das Riemenwerk eines der Deichselpferde riß. Mit vieler Geschicklichkeit lenkte er das andere, welches allein noch den Wagen zurückhalten konnte. Aber nun war ein großer Stamm über den Weg gefallen, und doch nicht quer genug, um den Wagen zum Stehen zu bringen. Auf einer Seite liefen die Räder auf dem Stamm entlang; endlich sprang das eine über, das andere schob den Stamm fort. Das Holz rollte. Die erschrockenen Pferde nahmen mit Wagen und Holz Reißaus. Wir tanzten in der Luft, und siehe da – kamen mit heiler Haut glücklich davon.

Auf einer schönen Halbinsel, gebildet von den Strömen Manongahela und Alleghany, beut sich dem Auge die Stadt Pittsburg dar. Jene Ströme rauschen einander aus entgegengesetzten Weltgegenden zu. Der Alleghany kömmt von Norden. Er ist aus verschiedenen Gebirgsbächen und Wassern von den Erie-Ufern entstanden, die sich bei der Wenango-Veste verbinden. Der Manongahela hinwieder kömmt von Süden her, aus den Laurels-Gebirgen, in Obervirginien. Er verschlingt in seinem Laufe viele andere Ströme, und so auch den Youghiogeni, der ziemlich beträchtlich ist. Bei Pittsburg, wo der Alleghany und Manongahela zusammenfallen, empfangen sie nach der Vereinigung den Namen Ohio (man spricht den Namen O-hai-io aus) oder Schön-Fluß. Dieser durchläuft dann eine weite Strecke von 400 Stunden, bis er sich in den Missisippi ausmündet.

Wir fuhren über eine der prächtigsten Bogenbrücke in die Stadt hinein. Sie ist mit Schiefer bedacht, und ruht auf fünf Bogengewölben, jedes fünfundsiebenzig Schritte lang. Eben so schön ist jenseits der Stadt auf ihrer Mittagsseite die andere Brücke. Sie hat die Länge von 532 Schritten; an jeder Seite zweiundfünfzig Fenster, um Heiterkeit zu geben; zwar nur von Holz gebaut, aber auf acht steinernen Pfeilern ruhend, die sieben Bogen bilden. Sowohl für Fuhrwerke, als Fußgänger, sind Doppelwege. Diese trefflichen Arbeiten, welche im Jahr 1816 ein englischer Ingenieur leitete, der auch in Tennesee eine ähnliche Brücke gebaut hat, sind binnen zwei Jahren vollendet worden.

21.
Die Ohio-Fahrt nach Mariette.
(29. August bis 4. Sept.)

Ich verweilte mit Vergnügen in Pittsburg einige Tage. Die Stadt ist in mehr als einer Hinsicht anziehend für den Beobachter. Man nennt sie das »Manchester der Vereinstaaten.«

Sie ward erst im Jahre 1784 gegründet. Im Jahre 1800 zählte sie 2400 Einwohner; im Jahre 1810 aber 4700 derselben, und gegenwärtig über 14,000. Darunter sind, ausser eingebornen Amerikanern, Engländer, Franzosen, Schotten, viele Deutsche und Schweizer, die sich alle, jetzt wohlzufrieden, veramerikanert haben.