Denn, wie ich's schon gesagt habe, hier zu Lande entstehen die Städte nicht, wie in der alten Welt, durch eine Reihe von Zufälligkeiten im langsamen Gang der Jahrhunderte, sondern durch einen Regierungsbeschluß, ehe sie noch da sind. Die Regierung der Vereinstaaten läßt nämlich die weitläuftigen Landstriche, welche sie durch Eroberung oder Kaufverträge von den Stämmen der Indianer erworben hat, durch angestellte Sachkundige untersuchen, vermessen und chartiren. Dann wird das Ganze in »Stadtschaften« oder, weil man dies deutsche Wort nicht gebraucht, in Stadtgebiete (Town-Ships) eingetheilt. Jede Stadtschaft besteht aus fünfunddreißig Abschnitten; ein Abschnitt enthält 640 Jucharten Landes, die Juchart zu 36,000 Geviertschuh. Einen oder zwei von den in allen Hinsichten am vortheilhaftesten gelegenen Abschnitten, in der Nähe eines Flusses oder Sees, in angemessener Entfernung von bestehenden Städten, liest man zur Gründung der dereinstigen Stadt aus; entwirft dazu die Anlage der Straßen und öffentlichen Plätze; bestimmt die Stellen, wo die öffentlichen Gebäude stehen sollen, und läßt den übrigen Stadtraum frei, sich zur Anlegung von Wohngebäuden u. dergl. zu verkaufen.

Die dem Stadtraume zunächst gelegenen vier Landabschnitte bleiben jedesmal Staatsgut. Es sind diese drittehalbtausend Juchart von der Regierung zur Unterhaltung einer höhern Schulanstalt, eines Kollegiums, oder anderer Staatseinrichtungen für das Gemeinwesen geweiht.

Die noch übrig gebliebenen andern neunundzwanzig oder dreißig Landabschnitte, die zusammen über 19,000 Jucharten betragen, werden vom Staat an die, welche sich ansiedeln wollen, verkauft, die Juchart zu ein bis fünf Dollars, je nach der Güte des Bodens, oder der Nähe einer Stadt, eines Flusses u. s. w. In Indiana, auch in Illinois, wo die Bevölkerung bis jetzt noch schwach ist, kauft man auch die Juchart sehr gut gelegenen Landes um einen halben Dollar. Die halbe Zahlung wird baar geleistet, die andere Hälfte in langen Fristen.

Seit dem Eintritt der fruchtbaren Jahrgänge nach 1817 ist der Werth der Grundstücke, wie in Europa, auch in Amerika beträchtlich gesunken. Bei Athen z. B. ward noch vor fünf Jahren die Juchart mit fünf Dollars bezahlt; gegenwärtig sind ein und zwei Dollars der laufende Preis. Man bot mir in Vevay ein Landgut an; es hatte zwei Häuser von gezimmertem Holz; beim Wohnhaus einen Garten mit 500 reichtragenden Obstbäumen; 192 Juchart Land, davon sechszig urbar gemacht und zwei Rebland waren. Das Alles bot man mir für 1000 Dollars (225 Luisd'ors) baare Zahlung an. Für eben dies Bauergut zahlte die Familie Gaulay vor zehn Jahren 3000 Dollars, wiewohl davon noch nicht halb so viel Boden zum Anbau aufgebrochen war.

So sind die neuern Staaten des Bundes alle in Stadtschaften oder Townships eingetheilt. Jede Stadtschaft mag also ohngefähr zehn Geviertstunden Flächenraums betragen.

Der Grund und Boden bei Vevay, so wie im größern Theil des benachbarten Indiana, ist sehr fruchtbar. Die Rebengelände liegen alle in der Ebene, nirgends an Hügeln. Zwar eine Viertelstunde von der Stadt erhebt sich der Boden hügelartig; er ist aber leicht und sandig, und der Regen, welcher, wenn er hier fällt, stromweis niederrauscht, würde das gute Erdreich bald hinwegwaschen. Man baut hier übrigens alle Getreidearten, wie in Europa; das Obst gedeiht herrlich, besonders sind die Aepfel von ungemeiner Größe, saftreich und kräftig. Man bereitet deswegen viel Aepfelwein, den man mit Whisky (Branntewein), ein Maß auf zwanzig Maß Cidre, versetzt. Es ist ein vortreffliches Getränk und hat daher sehr großen Absatz. Der hiesige Whisky wird aus Korn und Mais gebrannt. Mais gedeiht im Uebermaß. Ich sah Felder, deren Maispflanzen eine Höhe von fünfzehn bis zwanzig Fuß hatten, jede mit dicken, schuhlangen Aehren belastet.

Alle diese ländlichen Erzeugnisse finden aber ihren besten Preis und Absatz nur in Neu-Orleans. Darum gehen mehrere Einwohner von Vevay regelmäßig alle Winter mit großen Schiffsladungen ihrer Aernten dahin. Gewöhnlich fahren sie Ende Oktobers ab und sind sechs Wochen unterwegs. Der Preis ihrer Waaren wechselt, je nachdem viele oder wenig Fahrzeuge aus dem Innern des Landes in gleicher Absicht angekommen, oder viele oder wenig Schiffe von Mexico und Südamerika erschienen sind, um Einkäufe zu machen. Die Natches-Zeitung gab die Zahl der aus dem Innern nach Neu-Orleans gekommenen, mit Feldfrüchten beladenen Fahrzeuge, während des Winters von 1823 auf 1824, zu 12,400 an. Man kann sich daraus einen Begriff von der Masse der ausserordentlichen Aernten machen, die noch im Lande selbst verbraucht wird.

Die Staaten Ohio, Indiana, Illinois, Virginien und Kentuky insgesammt bringen auf den Markt von Neu-Orleans ohngefähr dieselben Erzeugnisse, nämlich Getraide, Semmelmehl, Whisky, Aepfelwein, gemeine und süße Erdäpfel, eingesalzenes Rind- und Schweinefleisch, gedörrte und gegerbte Häute, Potasche, Fett, lebende Schweine, Schafe und Geflügel. – Die Staaten Tennesee und Alabama hingegen liefern Baumwolle; der Missisippi- und Misouri-Staat Ahorn- und Rohr-Zucker.

Die zahlreichen Wasserstraßen Nordamerika's erleichtern die Verbindung und den Verkehr der entlegenen Gegenden ungemein. Und doch sehe ich, was da ist, nur noch als natürliche, rohe Anfänge an, welche, mit Ausnahme der Dampfboote, die Hand der Kunst bisher noch nicht berührt hat. Es sind nur erst ein Paar Hauptkanäle geschnitten; Spielraum bleibt noch für andere übrig. Eine Menge kleinerer Gewässer lassen sich noch zum Verkehr in Werth setzen. Die vornehmsten, das heißt schiffbaren Ströme, welche sich alle in den Ohio und Missisippi werfen, sind der Kanhaway, der Scioto, der Miami, der Kentuky, der Wabash, der Illinois, der Tennesee, der Cumberland, der Missouri, der Acansas und der rothe Strom.

Alle westlichen Staaten haben demnach nur einen einzigen Hauptmarkt, Neu-Orleans, dem sie ihre Waaren zuführen können. Es geschieht dies auf Fahrzeugen, die alle von gleicher Bauart, achtzig Schuh lang, sechszehn breit, und mit zwei Verdecken versehen sind. Man heißt sie Flatboats (Flachboote). Beladen gehen sie 3½ Schuh tief in's Wasser, und ragen eben so weit hervor. Ein Mann mit dem Ruder am Vordertheil, ein anderer hinten am Steuer, lenken das Schiff beständig in die Mitte der Flußströmung. Wo die letztere stark ist, legt man in einer Stunde anderthalb Wegstunden zurück, wo sie gering ist, nur die Hälfte. Nachts wird das Flatboat irgend an einen Baum festgebunden, und stillgehalten. Flußaufwärts wird es nie wieder gebracht, sondern, angelangt an seinem Bestimmungsort, verkauft mans um Spottgeld. Was auf dem Bauplatz 100 bis 120 Dollars gekostet hat, schlägt man um zehn Dollars mit Vergnügen los; die mit solchen Schiffen gekommenen Personen kehren dann auf Dampfbooten wieder in ihre Heimathen zurück.