Ueber Braunville, einer Stadt mit zahlreichen Fabriken am Manongehalaflusse, und durch Uniontown kam ich, auf einer Nebenstraße, in vier Stunden nach Geneva.

30.
In Geneva.
(25. Okt. bis 4. Nov.)

Das Städtchen Geneva gehört zum Theil noch dem Herrn Gallatin, demselben, der, nach der Wiederkehr der Bourbonen auf den französischen Thron, als Gesandter Nordamerika's acht Jahre lang in Paris lebte.

Ich fand den Herrn Gallatin und seine Familie auf seinem Landgute, eine volle halbe Stunde von der Stadt entfernt. Seine Wohnung, einfach und geschmackvoll, hat in der Bauart etwas Großartiges. Ich wurde bei ihm auf gewohnte, amerikanische Weise eingeführt; er empfing mich mit vieler Güte. Er saß eben bei einem guten Kaminfeuer. Um ihn her lag ein Haufe amerikanischer, englischer und französischer Zeitungen. Unser Gespräch gewann bald eine anziehende Richtung. Seine Gemahlin, eine sehr gebildete und liebenswürdige Frau, setzte sich zu uns an die wohlthuenden, zur Geselligkeit lockenden Flammen und nahm an der Unterhaltung Theil.

Herr von Gallatin ist, wie ich erfuhr, ursprünglich ein Genfer. Er erzählte mir, wie er dazu gekommen, sich dem Handel zu widmen, den er nachher siebenundzwanzig Jahre lang mit gutem Erfolg betrieb. Anfangs in Boston sich aufhaltend, um dort seinen gewerbigen Verkehr mit neuer Kraft zu beginnen, ließ er sich nachher in New York nieder. Hier brachte ihn der Zufall mit zwei Deutschen in Bekanntschaft, die ihn versicherten, sie hätten jenseits der Alleghanyberge alle Materialien entdeckt, um große Glashütten anzulegen, und Glas von jeder Art zu liefern. Er reisete mit ihnen dahin und fand Alles, wie sie gesagt hatten. Der Ort war damals ganz unbewohnt, inmitten einer weiten Wildniß und Oede. Der Plan ward entworfen. Er bildete mit den beiden Deutschen eine Gesellschaft, kaufte das Land an, und gab die nöthigen Gelder her. Die Unternehmung glückte vollkommen. Das Glas stand damals noch in sehr hohem Preise. Man hatte noch keine Glasfabriken in den Vereinstaaten, und mußte die Waaren dieser Gattung aus Europa kommen lassen. Der Absatz vermehrte sich von Jahr zu Jahr zugleich mit der Güte der Artikel und in gleichem Verhältniß wuchs der Gewinn. Als sich Herr Gallatin endlich von dieser Fabrikation zurückzog und seine Rechnung abschloß, ergab sich für ihn ein durchschnittlicher reiner Nutzen von 8000 Dollars alle Jahre. Er hatte sich in die öffentlichen Geschäfte ziehen lassen, und späterhin die Gesandtschaft in Paris am Hofe Ludwigs XVIII angenommen. Nach achtjährigem Aufenthalt in Europa kehrte er in sein freies, beglücktes Vaterland zurück. Hier wählte er die anmuthige Stille seines Landgutes bei Geneva, wo er noch jetzt lebt.

Ich darf nicht erst sagen, wie unterrichtend die Gespräche mit einem so welterfahrnen Manne für mich waren. Er kannte Europa, die Höfe, die am Ruder stehenden Männer, und sah die verderbenschwere Rückwirkung unfreier, Geist, Leben und Gewerbsfleiß der Völker dämpfenden, mönchshaften Bestrebungen der Machthaber voraus. Er ist in Amerika durchgängig geschätzt und geliebt. Er ward auch, gerade in diesem Jahr, da es um die Wahl eines neuen Präsidenten der Vereinstaaten zu thun war, neben den Herren Jakson, Clay, Crawfort und Quincy-Adams mit in die Wahl gezogen. Er aber, vielleicht weil er bemerkte, daß sich die Mehrheit der Stimmen nicht für ihn vereinigen würde, verbat sich in einem Marylander Blatte öffentlich, und mit Dank gegen seine Freunde, die Ehre, in die Wahl gebracht zu werden. Bekanntlich wurde Quincy-Adams nachher zum Präsidenten ernannt.

Herr Gallatin ist jetzt ein Mann von ohngefähr sechszig Jahren, von mittlerer Größe, und geistvollem, ausdruckreichem Gesicht. Wie gerne wäre ich länger in dieser trefflichen Familie verweilt (sein Sohn Albert ist ein hoffnungsvoller Jüngling); allein für mich war kein Rastens mehr in Amerika, der Wintermond schon vorhanden, und die Weihnachten wollte ich ja in der europäischen Heimath feiern.

Selbst die Einladung, nur bis zum folgenden Tage zu bleiben, mußte ich ablehnen. Nach dem Mittagsessen beurlaubte ich mich, schlief Nachts schon zu Smithfield und erreichte folgendes Tages die Gebirgshöhe der Alleghanykette, über die ich ging. Hier, auf dem Laurel-Hill, dem erhabensten Uebergangspunkt, hat man freilich bei gutem Wetter eine weite Aussicht. Allein mir ward der frostige Genuß zu Theil, ein paar Stunden lang beschneit zu werden.

Ich eilte durch das Fort Cumberland, im Marylander Staat, nach Oldtown oder Cumberland, einer artigen Stadt am Ufer des Potomak; von da nach Hamsktown, Midletown und Frederiktown. Alle diese letztern Städte sind größtentheils von Deutschen bevölkert, ziemlich ansehnlich, und dem Anschein nach wohlhabend.

Am 4. November war ich wieder in Baltimore. An Unterhaltung hätte es mir auf der langen Meilenstraße, die ich von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende zurückgelegt hatte, durchaus nicht fehlen können, wenn ich zuletzt auch nur die Menge der Wagen zum Zeitvertreib gezählt hätte, die mir entweder begegneten, oder die ich einholte und hinter mir ließ. Diese Fuhrwerke, wie Frachtwagen, mit Tuch überspannt, und von vier bis sechs Rossen gezogen, waren häufig mit Ankömmlingen aus Europa und ihrem Gepäck beladen, die insgesammt dem milden Himmelsstrich des Ohiolandes entgegenzogen. Andere dieser Wagen, die in derselben Richtung von Osten her kamen, führten dem Innern des Freilandes die Fabrikate und Waaren der Küstenstädte in Fülle zu; so wie hingegen die, welche von Westen her den Meeresgestaden entgegenreiseten, mit Getreide und andern Erzeugnissen des fruchtbaren Bodens der westlichen Staaten befrachtet erschienen.