„Du kannst mich ja pullen lassen, Lars; das Auswerfen verstehe ich wohl nicht. Aber für einmal schaffe ich es wohl, mit dem Netz einziehn, wenn du mir’s zeigst. Und ich habe eben Lust dazu.“

Da sah ihn Lars sonderbar an und schwieg eine Weile. „Na, denn man zu, Jakob,“ sagte er endlich mit tiefer Stimme.

„Peter borgt mir wohl sein Zeug,“ sagte Jakob Lind.

„Es wird ein bißchen groß sein, Herr Lehrer.“ — Und in Peters Stimme saß ein verhaltenes Lachen.

Es war eine von den wunderlichen, milden Nächten. Hier und da glitten die Wolken zur Seite, und durch graue Dünste goß der Mond ein zitterig rotes Scheinen über die Welt. Aus der frühlingsatmenden Erde stieg ein reiches, schweres Duften wie ein aufquellend-sehnendes Leben. — Aber rings in der lautlos samtweichen Dunkelheit lag es wie seltsam schlummernde Dinge, wartend, aus ihrem leisen Schlafe aufzustehn und in das rötliche Geschimmer hinzutreten.

Merkwürdig laut klangen die Tritte der schweigsamen Männer auf den Brettern des Ricks. Und dann kam der Ton der Riemen in den Dollen und das leise, gleichmäßige Platschen. Das paßte sich hinein in das große Schweigen und ward selbst ein Klang der raunend-dunklen Heimlichkeit.

Es dauerte eine lange Zeit, dies schweigende Hingleiten. Aber endlich seufzte Jakob auf und nahm seinen Blick von der breiten, glitzerigen Flimmerstraße über den Wellen fort. Eine Weile sah er auf die dunkle Gestalt an den Riemen und ihr gleichmäßig schweigendes Tun. — „Lars, es ist ja nur der eine Ruck, Mensch, daß du aus dir herauskommst, nachher ist dir leichter; das weißt du!“

„Es nützt doch nichts, Jakob. Es ist doch einmal alles verwirrt, am besten, man beißt die Zähne zusammen und schweigt.“ Und Lars sah wieder gerade vor sich hin.

„Aus dem Ärgsten hast du dich schon herausgewühlt, Lars, ich weiß es. Seit fast zwei Monaten warst du nicht im Wirtshaus. Du bist schon den ersten Schritt den neuen höheren Berg hinauf. Warum redest du denn davon, daß es alles nichts nützt?“

„Weil ich nicht mehr an den Berg glauben kann, Jakob Lind. Es ist ein ewiges Auf und Ab, weiter nichts!“ Die Stimme klang, als wenn er aufschrie in seiner Not.