„Seit wann ist denn das so gekommen?“

„Das kann ich dir nicht so sagen, Jakob,“ stockend und stoßweise sprach er. „Ich habe eben mit einmal gemerkt, daß ich es alles verpfuscht habe in meinem Leben, und ich hab’ doch eigentlich immer vorwärts und hinauf gewollt, und wenn das denn doch so zugelassen wird, dann ist da ja wohl auch alles tot und still hinter der Welt. Großvater hat sich das alles so schön gedacht, aber das war wohl nur so ein Spielzeug von ihm, und nun ist er ebenso tot wie ein Hering oder wie die Mücken von gestern.“

Da waren sie lange still.

Dann seufzte Jakob noch einmal auf und richtete sich ein wenig hoch, wie mit einem Entschlusse. „Und die Liebe Lars? — Meinst du, wir wüßten nun nicht endlich, warum Karen nicht heiratet? So eine große, stille Liebe die gar nichts will und doch festhält, ist die auch nur in die Welt hineingehagelt ganz zweck- und sinnlos?“

„Das weiß ich nicht, Jakob.“ Und wieder klang das leise, gleichmäßige Patschen. Und der Mond war verschwunden, und unter dem Uferschatten lag die weiche, unheimliche Finsternis. —

Da fing er wieder an mit der sonderbaren Stimme, in der die Not hindurchzitterte.

Wenn es nur etwas gäbe, Jakob, irgendein Festes, an dem man es greifen könnte. Wenn ich alles Helle in meinem Leben verpfuscht und vertrieben habe, meinetwegen. Aber, daß man andere unter Wasser zieht, daß ich den Leuten nicht mehr helfen kann und dann“ — Lars stockte und zog die Riemen ein und lehnte sich schwer darauf.

Da beugte sich Jakob ganz vor. „Mensch! Lars, dir ist Kraft gegeben über die Menschen bei all deiner träumenden Langsamkeit. Pack’ zu! Schaff’ dir wieder Mut!“

„Ich kann nicht, Jakob, wenn ich denke, es hat alles keinen Zweck, da ist kein Berg, auf den es sich lohnt, daß ich mich und sie hinaufschleppe. — Es müßte da ein Festes sein in dem großen Tüter. Weißt du eins, an dem man es sieht, daß da eine Ordnung ist in dem Ganzen und ein Wille dahinter. — Früher, da dachte ich, der Jesus Christus mit seiner stillen, sicheren Art. Der sagt, daß er von Gott kommt, und dem kann man es glauben, wenn er sagt, daß er Gott gesehen hat. — Aber da hab’ ich ein Buch gelesen, da war das alles klipp und klar bewiesen, daß er sich geirrt hatte und nur ein ganz gewöhnlicher Mensch war, so ehrlich und treu er auch sonst sein mochte. Und der Gott, an den er so fest glaubte, soll ihn im Stich gelassen haben, und mit dem Schrei ist er auch gestorben. — Na, wenn der sich geirrt hat, dann ist ja doch auch nichts hinter der wirren Welt, und es ist eben alles gleich.“

„Lars, das läßt sich nicht so ausrechnen, wie die da in dem Buch geschrieben haben. Wir wissen nur so viel, daß sein bester Freund, der Tag um Tag mit ihm war, gesagt hat, er war ohne Sünde. Und das hat auch der allerbeste Freund noch von keinem Menschen sonst behaupten können. Und sieh mal, Lars, wenn dieser Mensch ohne Sünde sagt: ‚Wer ihn ansieht, der sieht Gott‘ und er ruft die ganze, große Menschheit zu sich und will sie allein zu Gott hinführen, dann muß er wohl wissen, wovon er redet.“