„Du magst ja vielleicht auch recht haben, Jakob, das ist dann doch auch wohl wieder so ausgeklügelt wie in dem Buch, nur anders herum. So recht verstehen wie ihr, die ihr euer ganzes Leben daran herum denkt, können wir einfachen Leute das ja nicht. Aber zum Weiterkommen hilft das Überlegen wohl nichts.“
„Nein, da hast du ganz recht, Lars. Ich glaube, du mußt dir mal Mutter Stinas Bibel herunter holen und die alten Geschichten ganz still für dich allein durchlesen, und dann einfach drauflos leben, so wie du fühlst, daß es recht ist für dich. Aber dann mußt du manchmal die Ohren aufmachen und in dich hineinhorchen und um dich in die wunderliche Welt. Da klingt sie schon herauf, die große Wahrheit aus der Tiefe. Weißt du, wir Männer sind mehr zum Anpacken und Vorwärtsschieben gemacht, glaube ich. Aber die Frauen, die sitzen noch näher an der großen Ordnung fest, von der Klaas Klaaßen immer sprach. Die hören die Stimmen aus den heimlichen Tiefen viel lauter. Ich glaube, die können uns helfen darin!“ —
Dann war Jakob still und wartete. Aber Lars hatte die Tür seiner Seele wieder zugeschlossen. Er schämte sich, daß er so viel gesagt hatte. Und Jakobs Reden wollte er gern unterbrechen. Darum gab er ihm die Riemen und fing an, das Netz auszuwerfen. Jakob fühlte, daß er genug gesagt hatte, und er trachtete nur noch, wie er Lars bei der Arbeit helfen könnte. Und die große, stille Nacht war um die schweigenden Männer. Und leise gluckste das Wasser, und patschend tropfte es vom Netz und glitzerte im rötlichen Mondlicht. Und weit draußen tauchten ein paar dunkle rundlich-breite Körper aus dem Wasser und versanken wieder, um weiterhin herauszuschnellen, mitten in der flimmerigen Mondesstraße.
„Sieh da, Tümmler,“ sagte Lars. Dann war es wieder still und einsam.
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Es war an einem Sonnabend, als Lars und Peter die Fische nach der Räucherei brachten, daß Trina groß Reinemachen hatte. Es ging ihr viel besser, und Mutter Lassen hütete jetzt oft tagelang ihren Enkel in Peters Haus oder bei ihrer andern Tochter.
Die Fenster standen weit offen, und die weißen Gardinen bauschten sich im warmen, salzkräftigen Sommerwind. Ein starkes Duften trug er von den Jasminbüschen bis in die Stube hinein, und von Zeit zu Zeit summte eine Biene am Fenster vorbei.
Trina saß vor dem Tisch und räumte die Schublade auf, und der Wind hatte ihr ein paar Haarsträhnen über die Stirn geweht. Ihre Backen waren heiß, und sie glich wieder mehr Klein-Trina von früher.
Da klang ein leichter, fester Tritt vor dem Fenster. Karen trug ein Bündel im Arm, und es war, als brächten die hellen Haare und die hellen Augen noch mehr Licht in die Stube. Trina war so ganz bei der Arbeit, daß sie das Lachen vergaß, und Karen konnte ungestört ihr Bündel aufknoten.