Als sie ihr die Arbeit erklärt hatte, setzte sich Karen ans Fenster und rief Klein-Klaus heran. Er spielte vor der Tür und kam langsam Schritt vor Schritt näher, und seine prüfenden Augen ruhten ernst auf der Fremden. Aber das helle Kleid, auf dem der breite Sonnenschein lag, und die lachend klaren Augen gefielen ihm, und er stellte sich zu ihr. Trina freute sich, daß er einmal artig war, und sie sah schnell von ihrem Räumen auf.

Es war, als hätte der warme, sonnige Wind die Schwere zur Seite geblasen, die sonst in dem Zimmer zu lasten schien. Es wurde Karen heute fast leicht mit Trina zu reden.

Sie hatte eben eine Frage wegen Peters Kindern gestellt, da blieb Trinas Blick auf einem Stück Papier haften, und sie gab ihr keine Antwort mehr. Karen sah erstaunt auf Trina hin; aber sie starrte immer auf den Brief. Und jetzt sah sie, wie sich Trinas Schultern hoben, wie in unterdrücktem Schluchzen. Es ging wie eine Blässe über ihr Gesicht und wie etwas Gequältes.

Da schob Karen den Jungen fort und zog ihren Stuhl zu Trina hinüber. „Was ist es, Frau Asmussen, vielleicht kann ich helfen,“ sagte sie schnell und legte ihre Hand auf Trinas Arm.

Aber Trina rückte ängstlich zur Seite. „Nein, nein,“ sagte sie hastig und deckte die Hand über das Papier. Aber große Tränen waren in ihre Augen getreten, und sie sah Karen schnell ins Gesicht wie mit einer quälenden Frage. Aber Karen scheute sich, weiter zu drängen, und sah fast hilflos auf Trina.

Da legte die mit eins die Arme auf den Tisch und grub das Gesicht in die Arme und ihr ganzer Körper bebte in heftigem Weinen. Das ging Karen ins Herz, und sie legte den Arm um ihre Schulter. „Ich kann’s gewiß hören, Trina,“ bat sie.

Trina weinte laut auf und, ohne den Kopf zu heben, schob sie ihr das weiße Blatt hin. „Ist das wahr, o ist das wahr?“ schluchzte sie.

Auf dem Blatt stand ein kurzer ärztlicher Bericht über Trinas Befinden und die Angabe der Zeit für ihre Rückkehr. Und darüber gedruckt stand „Landesirrenanstalt“. — Nun wußte Trina, daß sie nicht im Diakonissenhaus gewesen war. —

Karen strich ihr still über die Schultern. „Haben Sie’s gewußt?“ kam es endlich stoßweise zwischen dem Schluchzen hervor.

„Ja, Klein-Trina.“ Und Karen streichelte sie.