„Jetzt haben Sie Angst vor mir. — Und sie mögen mich alle nicht mehr. — Und oh, ich schäme mich so.“ Und Trina wühlte den Kopf noch tiefer, und das Schluchzen war herzbrechend. Da schmolz das Harte in Karens Brust, das die Tür gegen Trina Asmussen gesperrt hatte. Jetzt hatte sie vergessen, daß dies Lars’ Frau war. Es war nur eben Klein-Trina, ein Menschenkind in großer Not. Und sie redete ihr zu wie einem Kinde und tröstete sie, und daß die große, stolze Karen noch so zu ihr sein konnte, das half Trina aus ihrer ersten Not über die Schande, die auf ihr lag, heraus. —
Aber darum war sie doch noch da, wenn Karen ihr auch über dies erste Erfahrene hinweggeholfen hatte. Und Trina schämte sich. — Und am allermeisten schämte sie sich vor Lars. —
Aber von dem Tage an wußte Karen, daß sie getrost in die Zukunft hineingehen konnte. Sie hatte Klein-Trina lieb gewonnen.
Kapitel XXVII
Lars Asmussen und Jakob Lind hatten recht. Es sitzt eine heilende Kraft im Anpacken. Der Mensch treibt mit seiner frischen Tat den Nebel vor sich her, daß er nicht mehr vor seinen Augen liegt wie eine trübe Wand. Und während er noch mit aller Kraft bei seinem Werke ist, hat sich leise, leise der Nebel geteilt, und der erste keusche Sonnenstrahl tastet sich durch das trübe Grau. — Dann kommt wohl irgendeine treue Hand und rührt ihn an und sagt: „Da ist das Licht!“ Und er sieht auf und wagt fast noch nicht, sich zu freuen. Dann aber hebt er den Kopf in den Sonnenschein und zieht auf seiner eigenen Straße nach dem Ziel, das ihm in der großen Ordnung gesteckt ist.
Und vielleicht ist es gar nicht fern.
Aber das gilt ihm gleich, denn er sieht wieder, daß es auf einem hohen Berg gelegen ist und daß die Sonne scheint.
Der arme, kleine Mensch — nicht einmal den Nebel kann er selbst vertreiben, um wieder seinen eigenen Weg in der großen Ordnung zu sehen! Nur tapfer handeln kann er, seiner Art getreu, und warten, bis der Nebel weicht. —