Kapitel XXXII

Der Damm um das Wiesenland war schon im vorigen Jahre von Lars und Peter gebaut worden. Der kleine Klaus hatte wacker mitgeholfen. Es war ein großer, starker Junge für sein Alter und ebenso ein stiller Arbeiter wie sein Vater. Eine Kuh hatten Lars und Peter noch gemeinsam gekauft, ehe das Unglück mit dem Dampfer ihnen den Mut hatte nehmen können. Nun gingen die Kuh und ein paar Ziegen auf der Wiese, und die Milch brachte einiges Geld. Auch der Seegrasverkauf und die Tischlerei brachten Lars manches ein, und gegen den Winter war die Schuld schon fast abgezahlt.

Die ersten Monate des Heringsfanges waren gut. Dann aber kam eine grimmige Kälte. Unter der feinen Schneedecke lagen weit und still die weich gebetteten Koppeln, und unsäglich blau leuchteten die Wasserarme dazwischen auf.

Kalt und kälter blitzte das harte Blau, und dann war es mit eins aus mit der Fischerei, denn die Bucht stand mit Eis.

So ein Aussetzen der Arbeit war jetzt eine arge Sache bei der kaum gedeckten Schuld. Peter stand schimpfend auf dem Rick; denn auch er hatte ein großes Teil seiner Ersparnisse verloren. Aber Lars sagte nichts.

Die Kinder merkten es an diesem Weihnachten, daß bei den Eltern nicht alles so war wie sonst. Dora hatte das Weihnachtsessen knapper gerichtet, und auch der stämmige Klaus Asmussen war mit der Feier bei seinen Eltern nicht so recht zufrieden.

Am Weihnachtsabend saßen sie aber alle in der lieben alten Strohdachhütte bei Großmutter. Da grämten sie sich nicht weiter. Draußen ächzte und klapperte der eisige Ostwind, und es heulte im Schornstein wie ein Wesen in quälender Not. Aber um die kleine Lampe saßen sie gedrängt und warm.

Auf Großmutters Gesicht war heute so etwas Feierliches, wenn sie den Kaffee auf den Tisch stellte oder den Kuchen hereintrug. Man konnte gar nicht vergessen, daß heute etwas ganz Besonderes war.

„Wenn uns nun Großvater ein Weihnachtslied hätte spielen können,“ sagte Trina. Und dann sahen sie still nach dem Harmonium hin, von dem sich Großmutter nicht hatte trennen können. Da mußte es Klaus auf der Harmonika tun, und Doras Kinder stimmten ein, und der kleine Raum zitterte von dem hellen, lauten Klingen.

Lars war sehr still, aber er sah zufrieden aus.