Die andern schüttelten alle die Köpfe, als sie davon hörten, aber sie gingen am Nachmittag doch mit.
Es war böiges Wetter geworden. Zwischen den türmenden Wolkenmassen schwammen manchmal grünlich lichte Ätherseen, und die Sonne brach heraus und umriß die finsteren Riesengebilde mit grellem Gold. In den Dampferrinnen hatten sich viele Heringe zusammengezogen, und die Männer arbeiteten angestrengt.
Einmal rief Peter herüber, daß der Wind schon zweimal umgesprungen sei. „Wir können bald mitten im Treibeis sitzen!“ Aber auch die anderen Männer wollten nicht vom guten Fang lassen. Und sie vertrauten auf ihre festen Boote.
Hier und da krachte es dumpf gegen die Planken, aber die Männer arbeiteten schweigend weiter und achteten nur, daß keine von den großen Schollen das Netz zerriß.
Klarer und weiter wurden die goldgrünen Ätherseen, je tiefer die Sonne sank, und die Kälte wurde wieder beißend scharf. Die nassen Bretter fingen an schlüpfrig zu werden, denn es fror. Die vereisten Taue schnitten in die Hand.
„Peter, was meinst du, der letzte Zug?“ rief Lars nach dem andern Boote hinüber.
„Ja, besser — der letzte Zug!“ kam es zurück. — Sie mußten tüchtig ziehn. Es war ein guter Zug, und das Netz war schwer von Eis. Christen Matthies war heute bei Lars im Boot. Lars wollte dem Alten die schwere Arbeit erleichtern. Er spannte jede Muskel. Aber nach dem schweren Quälen und Mühen der letzten Monate war Lars’ Körper nicht so stahlhart wie sonst. Er spannte und zog und trat mit dem rechten Fuße zurück. Die Bohlen waren jetzt spiegelndes Eis. — Der Hacken glitt ab. Er wollte sich halten, aber er griff vorbei. Mit der Wucht des schweren, langen Körpers schlug er zurück, und die im andern Boot sahen, wie er über Bord ging. Sie waren gleich heran. Sie sahen wie er sich heraufkämpfte, aber die schweren hölzernen Fischerstiefel zogen ihn herunter. Wieder, wie damals als Junge, hatte Peter das Zeug abgerissen und war in das Eiswasser getaucht. Er öffnete die Augen im grünen Dämmern, daß ihn mit atemraubender Kälte umgab. — Da war etwas Großes, Dunkles. — Er griff hinein und ruderte mächtig mit dem freien Arm und den Beinen. — So tauchte er herauf. — Es war wie ein Krampf in seiner Brust von der eisigen Kälte, daß er nach Atem rang. Aber der Bootrand war dicht zur Hand.
Wie sie sich mühten und quälten, bis sie den reglosen, schweren Körper im Boote hatten!
Dann kniete sich Peter in seinem triefenden Zeuge über ihn hin und versuchte, ihn wieder zu beleben. Lars hatte nur wenig Seewasser in sich. Aber er regte sich nicht.
Da fing Christen Matthies an, ihn zu betasten und seine Glieder anzufühlen. Mit eins tat er einen leisen Ruf und Peter ließ Lars’ Arme los und sah auf. Da zeigte der Alte auf eine Stelle zwischen den nassen Haaren dicht über der Schläfe, die dunkel und klebig war von Blut. Es mußte von den schweren Eisschollen sein. Und Christen Matthies traurige Augen lagen still auf dem reglos edlen Gesicht mit den festgeschlossenen Augen. Aber Peter zog die Brauen nur finster zusammen und sah Christen Matthies ungeduldig an. — Dann mühte er sich weiter.