Mit dem warmen Sonnenschein waren auch manche Bekannte von Herrn Asmussen an Deck gekommen. In behäbiger Zufriedenheit gingen sie rauchend auf und ab und ordneten den Gang der Welt im allgemeinen und den Gang des Geschäftes im besonderen. Und was sie sagten, war meistenteils dänisch.
Und ihre Frauen setzten sich in der Sonne zusammen und zogen die Häkelarbeit heraus. Und sie waren sehr bedacht auf ihre Vornehmheit und achteten aufeinander und sprachen freundlich zusammen und hofften, daß ihre Aussprache für echtes Kopenhagener galt.
Und der kleine Lars saß still am Ende der Bank mit zornigen Augen und hörte, wie Onkel Gust von Dänemark sprach und von seiner Fürsorge für das arme Süderjütland, von dem besseren Geschäftsverkehr und den billigen Prozenten und der deutschen Mißwirtschaft.
Und Lars hörte in Gedanken die stockend langsame Rede des Großvaters, wenn er von der schönen Schleswig-Holsteinschen Armee erzählte und der Zeit, als sie in die Schlacht gezogen waren, wie zum Fest, und dann wurde Großvaters Rede leiser und stockte noch öfter, und er erzählte vom Tage bei Idstedt, wie sie die schöne Armee verraten hatten, und wie sie heimgeschickt wurden ins Elend.
Aber keiner achtete auf den kleinen Jungen mit den zornigen Augen.
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Er wurde in einer Beamtenfamilie untergebracht.
Noch vier Gymnasiasten wohnten dort. Zwei kleine Jungen teilten seine Stube: Hans Todtsen, der Zapplige — mit seinem klugen Kopf und seinen lustigen Einfällen, und der bescheidene, kleine Jakob Lind, der einen so gerade und freundlich ansehen konnte. Man hatte sie erst vor wenigen Tagen in der Quinta aufgenommen; auch waren sie jünger als Lars; aber er hatte doch eine gewisse Hochachtung vor diesen beiden jungen Städtern.
Auch die beiden andern Jungen, Swend und Aage Michelsen, waren Stadtkinder, dänischredende Geschwister von der Grenze her. Von ihnen aber trennte Lars ein weites Meer. Der eine war schon zur Quarta und der andere sogar schon zur Sekunda hinaufgedrungen. Besonders der Quartaner ließ es merken, wie weltenhoch er über den drei Stubennachbarn stand.
Lars nahm die Dinge ernsthaft, und die Aufnahme ins Gymnasium war ihm ein großer Abschnitt seines jungen Lebens. Wenn ihm auch über dem Träumen und den Traumfahrten manche Pflichten durch die Finger geronnen waren, so hatte er im Grunde die Bücher lieb gehabt, und er hatte die andern rasch eingeholt, wenn er einmal bei der Arbeit war. Obgleich er in den friedlichen Jahren der Dorfschule manches versäumt hatte, so bestand er die Aufnahmeprüfung gut. Er war freilich der Älteste in seiner Klasse.