Wie bei den Wilden in Afrika eine Kunde schneller von Mund zu Munde fliegt, als wenn der Telegraph sie verbreitet, so wußten die Gymnasiasten über des Neuen Herkunft Bescheid. Und mehr als die kühle Nichtachtung der Großen reizte Lars die mitleidige Duldung der Kleineren. Er war sich oft nicht klar, was ihm so heiß nach dem Kopf stieg und in die Fäuste fuhr, daß sie den andern nach dem Gesicht zucken wollten. Aber er wurde nur noch stiller dabei und ging seine eigenen Wege. — Und diese Wege führten ihn, so oft er frei war, zur Stadt hinaus.
Da war sie — die ihm Heimat, Freund und Spielgefährte war. Und wie in alten Zeiten lag er im Riedgras und horchte auf ihr Lied, aber es klang ihm trauriger als damals.
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Die graue Trübe lastete über den steilen grauen Häusern; und über den Köpfen der Menschen lag sie wie ein Druck, der die Freude verscheucht. Aber die Schar der Buben im Schulhof achtete weder der kalten Feuchte noch der lastenden Wolken. Es war da ein buntwogendes Durcheinander lauter herrisch-froher Töne und wechselnd beweglicher Bilder. Mitten im toten Grau des sterbenden Jahres war hier ein Stück selbstherrlich strotzenden Lebens.
„Du, Jakob,“ sagte Aage, „die alte Braunsche ist verrückt, gibt sie so ’nem Stift die feine Wurst aufs Brot und mir so’n Zeug. Her damit, Mensch!“
Aber Jakob riß aus mitsamt der Wurst.
Michelsen II war zu dick zum Laufen, aber er kommandierte: „Lind aus Quinta soll mir gebracht werden.“
Aus der Quarta und Quinta waren dem Dicken ein paar Jungen verpflichtet. — Jakob Lind aus Quinta wurde herangeschleppt.
Von allen Jungen war aber der kleine gute Jakob der, den Lars am liebsten hatte. Und da geschah es, daß ihm der Zorn diesmal so übermächtig in die Fäuste fuhr, daß er auf den fetten Quälgeist sprang wie eine wilde Katze.