Auch die beiden andern Fischer gehörten zu den Unzufriedenen.

Vom roten Trollsen sagte Peter lachend: „Der hat sein Geld versoffen, und nun schimpft er.“

Maszen aber mit den verkniffenen Zwinkeraugen und dem borstigen Graubart hatte das Schimpfen ebenso an sich wie das gute Rechnen. Und auf dem Gebiet hatten sich die aus Wanbyll mit Hans Peter Lassen zusammengefunden, denn Hans Peter sah auf sein Geld.

Aber Lars hatte einen andern Grund, wenn er sich in Hans Peter Lassens Hütte setzte und still zuhörte, wenn die aus Wanbyll sprachen, oder immer wieder zu fragen hatte.

Als Junge hatte es ihm immer schön geschienen, was die Wanbyller wollten. Alles sollte so eingerichtet werden, daß die Arbeit zu ihrem Rechte kam in der Welt, und keiner es besser hätte als der andere. Und alle wollten sie zusammenhalten bis in den Tod. Aber seit er in die Welt herausgekommen war, da war er mißtrauisch geworden. Der Zwang und das Dreinreden waren ihm einmal zuwider. Beim Militär war es ihm auch schon verhaßt gewesen. Aber das hatte er nun verstanden, daß die Leute da sein mußten, um das Vaterland zu beschützen. Auch merkte er wohl, wie die stramme Zucht eine harte, feste Männlichkeit in ihm aufgezogen hatte. Das andere aber verstand er nicht, darum mißtraute er dem. Er las jetzt viel in den Zeitungen, und ihm schien das, was die Führer der Genossen sagten, gar nicht so recht nach dem zu klingen, was er sich gedacht hatte. Es kam ihm so unvernünftig vor, und als suchten sie ihren eigenen Vorteil. Eben, wie Großvater sagte, sie machten zu viel Spektakel. Und nun suchte er von denen aus Wanbyll mehr zu erfahren. Aber die schimpften wohl einmal mächtig los auf alles, wie es jetzt war. Aber so ganz verstanden hatten sie es nicht, wie es werden sollte, und Lars kriegte von ihnen überhaupt keinen rechten Bescheid. — Da wurde er immer stiller und merkte wohl, daß er sich solche Dinge alle selbst herausgrübeln müßte. Und er kam auch seltener in Hans Peters Haus, wenn die Männer aus Wanbyll da waren, sondern hielt sich nun noch mehr allein. Und Hans Peter war zufrieden, wenn Lars fortblieb, denn das, worüber der sprach, hatte für Hans Peter Lassen kein Interesse. Er redete über Fische und Fischpreise, und Jung-Peter hatte da auch viel zu sagen.

Jung-Peter arbeitete gern einmal hart, wenn ein guter Verdienst in Aussicht stand. Aber das taten sie auch wohl in der andern Hütte. Klaas Klaaßen war für das Anpacken und Sparen. Und trotz des schlechten Winters gelang es den beiden Jungen, ein wenig Geld zurückzulegen.

So verging Lars der Winter in einsamem Grübeln und harter Arbeit.

Kapitel XIV

Nun war endlich der Frühling wieder in das nordische Land gekommen. Unversehens zwischen den Sträuchern oder unter einem Knicktor stieg ein schweres süßes Düften herauf, das in den Menschen hineintastete wie unbewußtes Sehnen. Und im Holz die feinen jungen Buchenblätter strömten ihren weichen, süßen Atem in die Abendluft. Es war ein stiller, grauer Tag gewesen, und nur ein weiches, rötliches Scheinen kam vom Westen. Die junge Wintersaat wogte ganz heimlich, als Lars über die Koppel ging. Am Waldrand blieb er stehn und atmete den starken Jelängerjelieberduft. — Nun es ringsum aufstieg und wuchs aus den dunklen Gründen, wie nicht zu dämmende Kräfte, da war auch in ihm wieder der Drang nach etwas Fernem, Besserem erwacht und war fast zur Qual angewachsen. Er sah über die weiten Koppelflächen hin in ihrem zarten, milden Grün und hinab auf die stille, strahlende Fläche, wie sie weich gebettet lag zwischen den breiten Hügeln bis dort, wo sich das ferne Ufer im stillen, lichten Grunde widerspiegelte. Und wie eine Sehnsucht reiste sein Blick hinaus, wo am fernen Horizonte Himmel und Meer sich küßten.