Aber die Amsel aus der schimmerigen Waldestiefe wußte mit ihren langgezogenen Tönen mehr von der drängenden Qual zu sagen als er. Er ahnte kaum, warum er stand und in die Weite sah. Die Heimatschönheit war ihm nur halbbewußt, und auch sie legte sich auf ihn wie eine Last und wie ein sehnender Drang.
Ohne daß er darauf acht hatte, klang aus dem bläulichen Wunderdämmern zwischen den stillen, grauen Stämmen näher und näher kommend sachtes Blätterrascheln und leises Knacken trockener Zweige wie von Tritten. Und die sehnsüchtigen Vogelstimmen klangen dazwischen, und wieder lauter und näher kamen die Tritte.
Und dann hatte ihn der Ton endlich aufgeweckt. Er wandte den Kopf und sah scharf in die frühlingsflimmrige Dämmerung hinein. Da schimmerte ein helles Kleid aus der Tiefe. Und jetzt stand jemand am weißen Knicktor und spähte nach ihm hin. Und das lichte, junge Blattgewebe war rings um die feine, helle Gestalt, und der Kopf mit dem weichen Blondhaar hob sich vom dämmerigen Waldgrund.
Er rührte sich nicht und sah darauf hin, eine wache Frage in den Augen, bis er ihrem lachenden Blick begegnete.
Da wandte er sich herum.
„Miete,“ rief er. Dann fiel ihm gleich alles ein, was gewesen war, und seine hart gewordene Arbeitshand. Und die Unbeholfenheit kam über ihn, daß er langsam herantrat und ihr linkisch die Hand reichte. Aber ihr helles Lachen, wie frohes Wasserplätschern, half ihm wieder zurecht, und in seiner ganzen neugewonnenen Männlichkeit, ein wenig gütig und ein wenig unbeholfen, begann er mit ihr zu reden, und hier und da sah er scheu in die lachenden Augen hinein. Sie aber sah an der großen, starken Mannesgestalt hinauf, und das Blut stieg unter die feine weiße Haut.
Sie mußte ihn erst bitten, daß er mit ihr käme, dann ging er neben ihr, so als erweise er ihr eine Gunst.
Sie kam vom Hoekhof und war auf dem Heimweg.