Aber mit der Zeit wurde sie ein wenig zutraulicher. Und als der Frühling gekommen war und die feinen, jungen Blätter der Laube goldig schimmerten, saßen sie dort manchmal zusammen, wenn Jakob gegangen war. Und sie erzählte ihm von dem großen Bauernhof daheim und von der schlichten, ernsten Mutter, der keine Arbeit zu schlecht war und keine Tagelöhnernot zu klein, daß sie nicht zugriff und half mit ihren starken Händen und ihrem klaren, ernsten Sinn. Und sie sprach von der schwarzen Zeit, als die Eltern gestorben waren und sie hinaus mußte in die Fremde.
Sie hatte ganz allmählich angefangen, ihm solche Dinge zu erzählen, und sie war immer noch scheu dabei und so, als bäte sie ihn um Verzeihung. Aber wenn sie in seine stillen, traurigen Augen sah, wie sie jedes Wort in den tiefen, dunklen Seelengrund, der hinter ihnen schlummerte, wie in einen weiten See hinein tranken, dann sprach sie weiter.
Und stockend sagte sie auch von dem einen, was sie aus dem schlichten Elternhause mitgebracht hatte, und was ihre Heimat geblieben war, wie alles andre von ihr ging. Und die Sonne lag in ihren lichten, großen Augen, als schimmere es von innen hervor wie ein Siegesglanz.
Und dann kam die runde, fröhliche Frau Lind mit ihrer Näherei heraus. Und Karen stand auf und ging an die Arbeit. Lars aber hörte nicht recht auf das lustige Geschwätz, denn im Gemüsegarten lag Karen auf den Knien, die große, weiße Sonnenhaube über dem hellen Haar. Und ihre hohe biegsame Gestalt wandte sich eifrig hierhin und dorthin bei der Arbeit. Und seine Augen lagen sinnend auf ihr, und das, was sie ihm erzählt hatte, ging durch seine Gedanken. Und die kleine Frau Lind merkte es wohl, und sie freute sich.
Kapitel XVIII
Tief drin im untersten Grunde wühlte und bohrte es in Lars’ Seele. Die ruhige, klare Art in Jakob Linds Hause machte ihm den eigenen unklaren Zustand immer unbehaglicher. Jakob und die hohe stille Karen gingen so fest und sicher vor sich hin, und um die kleine tätige Frau Lind war es am allermeisten wie eine frische, gesunde Luft bewußten Frohsinns.
Und immer ließ ihn Trinas Not und ihr großes Zutrauen nicht los. Er sann und sann und konnte es doch nicht in Einklang bringen, seine behagliche Freundschaft mit den Asmussens und das ganze Elend, von dem ihm Klein-Trina auf der Treppe erzählt hatte.
Und doch tobte und kochte die Leidenschaft in ihm noch stärker als vorher. Bis er sich einen Entschluß abgerungen hatte, durfte er seinen Mund nicht wieder auf die weichen Lippen drücken; der Gedanke packte ihn wie verzweifelte Qual.
Einstweilen wollte er da anfangen, wo er erst einmal ein Stückchen Weg vor sich sah. Er wollte versuchen, etwas für Dora zu tun.