In einer nebeldicken Morgenfrühe begann er Peter Lassen im Boot von ihr zu reden. Und er sagte ihm alles, was er von Trina gehört hatte. Von Doras einsamem Kampf und ihrer Not, und wie die Verachtung der Leute und die große Scham sie jetzt fast erdrückten und doch keine einzige helfende Hand da war, die sie aufrichtete. Und die kleinen Geschwister, die sie gern mit dem eigenen Leibe vor allen Gefahren gedeckt hätte, blieben doch unbeschützt, und keiner wollte ihres Notrufs achten.
Es tat Lars wohl, etwas von dem, was ihn drückte, von der Seele zu reden. Aber Peter sah zur Seite und keiner konnte sagen, was in ihm vorging.
Sich selbst aber hatte Lars geholfen. Er hatte einen Anfang gemacht. Nun wußte er, daß Klarheit werden mußte. Onkel Gust sollte erfahren, wie er dachte, und Miete wollte er hinüberreißen in seine schlichte, reinliche Welt. Für sie konnte er sich dann wohl aufraffen und sich aus dem armselig-engen Kreise heraufarbeiten. Sie liebte ihn, so wie er sie liebte, darum würde sie auf ihn warten.
So kam es endlich, daß er gerade aufgerichtet und zuversichtlich über die Koppeln zu Herrn Asmussens Hause ging.
Im hohen grauen Hause auf der Treppe traf er Trina Lassen. Es war ihm fast wie ein Schreck, so leuchteten ihre Augen auf bei seinem Anblick. Da blieb er bei ihr stehen und fragte nach Doras Geschwistern und anderem mehr, und sie sah ihm fest in die Augen und erzählte schlicht und voll großem Vertrauen.
Dann ging er mit schweren Tritten die Treppe hinauf. Das vordere Zimmer war leer. Im zweiten fand er Onkel Gust in dicken Tabakswolken hinter der Zeitung.
Da drückte er die Lippen fest aufeinander, daß sein Gesicht wieder aussah, wie aus Holz geschnitten, und trat dicht vor ihn hin.
Onkel Gust wehte mit der Zeitung die blauen Wolken auseinander. „Sieh da Lars, — endlich läßt du dich sehen,“ sagte er gütig.
„Onkel, ich habe mancherlei zu sagen,“ brachte Lars mit harter Stimme heraus.
Zum Lesen brauchte Herr Asmussen einen Kneifer. Über den Kneifer hinweg sah er seitwärts nach Lars hin. „Setz’ dich, setz’ dich, min Jung!“ Und dann: „Na?“ sagte er erwartungsvoll.